Warum belohnen genauso mies ist wie bestrafen

 

img_0032Belohnung und Bestrafung sind meines Erachtens zwei Seiten derselben Medaille. Niemals finden sie auf Augenhöhe statt, niemals sind sie Ausdruck von Respekt gegenüber den Taten des Gegenübers. Der/die Belohner_in bzw. Bestrafer_in stellt sich immer über den anderen.

Das ist nicht nur für die Beziehung zwischen den beiden schädlich, es verursacht auch, dass entweder Strafe oder Lob oder beides abwechselnd immer weiter ausgereizt werden müssen, weil beides intrinsische (von innen kommende) Motivation verhindert und der/die Bestrafte bzw. Belohnte so von der extrinsischen Motivation immer weiter abhängig wird. D.h. eben, dass Belohnung/Bestrafung immer weiter gesteigert werden müssen.

Davon zu unterscheiden ist m.E. das Bedürfnis nach Anerkennung. Es ist keinesfalls synonym zu verwenden mit Belohnung oder Lob. Anerkennung hat etwas mit „Gesehenwerden“ zu tun; damit, „erkannt“ zu werden, d.h. als Ganzes wahrgenommen zu werden.

Lob und Belohnung fokussiert nur auf das, was dem/der Lobenden/Belohnenden gefällt, während Strafe und Tadel nur auf das fokussiert, was missfällt. Es sieht nur einen Teil, den es stärken/schwächen will, weil der/die Belohnende/Bestrafende das gut bzw. schlecht findet. Darin findet eine klare Wertung statt, und es wird schnell vergessen zu schauen, aus welchem Grund jemand so gehandelt hat, wie er/sie es getan hat.

Ich hab mal ein paar Links zusammengesucht, in denen auch auf das Thema eingegangen wird: 

Gerald Hüther über Lernen im Kindes- und Erwachsenenalter, in der Schule und im Beruf, mit Belohnung und Strafe: https://www.youtube.com/watch?v=shh31MTUL3M

Blogartikel zu Belohnung und Bestrafung mit Kindern und PartnerInnen: http://suite101.de/article/belohnen-und-bestrafen-a87237#.U4hSDBa1G_8

Das Menschenbild in der Gewaltfreien Kommunikation – auch das hat etwas mit dem System von Belohnung und Bestrafung zu tun: http://www.gewaltfrei-gluecklich.de/menschenbild.phtml

Eine Sprache des Lebens. Interview mit Marshall B. Rosenberg: http://www.arbor-verlag.de/files/Leseprobe%20des%20Artikels%20von%20Marshall%20B.%20Rosenberg.pdf

Und sogar der Wikipediaartikel (jedenfalls am 30.5.14) dazu ist ganz aufschlussreich: http://de.wikipedia.org/wiki/Verstärkung_(Psychologie)

Nicola Kriesel

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4 Gedanken zu “Warum belohnen genauso mies ist wie bestrafen

    1. Hallo Eckhardt,

      ich kenne leider Pam Leo nicht, aber natürlich kann man Kinder/ Menschen und sogar Tiere durch negative Gefühle dazu bringen, sich besser (in welchem Sinne auch immer) zu verhalten. Das nennt sich Konditionierung und ist schon seit vielen Jahrzehnten wissenschaftliche Tatsache.
      Ich persönlich finde das scheiße, aber es funktioniert…

      LG
      Fritz

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      1. Hallo Fritz,

        das, was Du beschreibst, nennt man aber Einschüchterung (über einen längeren oder langen Zeitraum) statt Kindern bestimmte Verhaltensweisen mit Vernunft beizubringen und auf Vernunft- und Verstandesbegabung zu setzen, oder ?
        Was die Einschüchterung bewirkt, kann man z.B. in Diktaturen und sonstigen totalitären Systemen beobachten.
        Das Ergebnis kann man „Konditionierung“ nennen …

        Eckhardt Kiwitt, Freising

        P.S.:
        Pam Leo ist eine US-Amerikanische Entwicklungsforscherin und Hebamme, auch Buchautorin

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  1. Die Suche nach Lob/Belohnung ist also auch die Suche nach einer abhängigen Beziehung. Jemanden zu loben, ihm/ihr eine Abhängigskeitsbeziehung anzubieten/aufzudrücken. Spannende Einsicht.
    Als hauptsächlich Tungestreichelter Mensch frage ich mich, wie stärkt man das Gefühl von Kindern, liebenswert und gewollt zu sein, ohne dass es den Charakter von Belohnung hat? Ist vielleicht eine blöde Frage… Wie mache ich die intrinsische Motivationsflamme meines Kindes nicht kaputt und gebe ihm trotzdem, was es für den Aufbau seines Grundselbstvertrauens braucht?

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