Warum funktioniert „unerzogen“ (nicht)?

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„Es“ funktioniert doch eh nicht.

unerzogen funktioniert nicht UND erziehen funktioniert auch nicht. Der Unterschied ist, dass das eine gemein ist und Beziehungen schädigt, und das andere das nicht macht, sondern auf Beziehung setzt. Das bedeutet, dass es für diese Eltern und dieses Kind eine Lösung geben wird innerhalb ihrer Beziehung, wenn es soweit ist. Wer Rezepte haben will, muss Kochbücher lesen oder Erziehungsratgeber. Wer sein Familienleben an und mit den jeweiligen Bedingungen und Menschen ausrichten will, der braucht keine Erziehung. Kochbücher vielleicht trotzdem.

Erziehen ist gemein!

Nicola Kriesel

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4 Gedanken zu “Warum funktioniert „unerzogen“ (nicht)?

  1. Liebe Nicola,

    wir müssten uns darüber verständigen, welche direkten und indirekten Ziele Erziehung hat. Wir könnten das ganz sicher und dann könnten wir ganz sicher erkennen, dass Erziehung – gerade bei den indirekten Zielen – durchaus funktioniert. Das ist sehr schade, aber wird sich gerade dann nicht ändern, wenn wir es nicht erkennen (wollen).

    Ich danke dir sehr herzlich für deinen Link. Dieser Link kann gar nicht oft genug veröffentlicht werden.

    Liebe Grüße
    Fritz

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    1. Lieber Fritz, vielen Dank für deine Rückmeldung und das Darauf aufmerksam-machen bzgl. der Begriffs-Defintion.

      Im „unerzogen-Kontext“ haben wir uns auf folgende Definition geeinigt:

      „Definition des Erziehungsbegriffs:
      In den meisten gleichberechtigten Eltern-Kind-Beziehungen wird auf Erziehung verzichtet. Dies hat zur Folge, dass in vielen Diskussionen von „Erziehung“ bzw. „Erziehern“, „erziehen“, „erzogen“ die Rede ist.
      Es gibt sehr viele Definitionen von „Erziehung“, auch positive, und das ist uns durchaus bewusst – das wollen wir gar nicht ändern – jede/r kann seinen/ihren Begriff von „Erziehung” behalten.
      Aber: Zum besseren Verständnis ist es sehr wichtig, dass der Begriff für die Liste definiert wird. Sonst reden wir unter Umständen aneinander vorbei. (Das passiert sogar trotz Definition immer noch ab und zu – aber viel seltener.) Wenn also hier von „Erziehung“ die Rede ist, legen wir folgende Definition zu Grunde:

      +++
      Im unerzogen-Kontext werden unter „Erziehung“ planmäßige (absichtliche) und zielgerichtete Tätigkeiten zur Formung von (meist jungen) Menschen verstanden.

      Erziehung findet nicht „ganz natürlich“ bei jeder Kommunikation, bei jeder Beeinflussung, statt, sondern nur, wenn sich einer über den anderen erhebt und meint, ihn zu einem Ziel (hiner)ziehen zu dürfen oder zu müssen.

      Erziehende Menschen versuchen, ihre Vorstellung darüber durchzusetzen, wie eine zu erziehende Person sein soll. Erziehung hat den Anspruch, Menschen zu ändern. Eigenschaften des Zöglings, die die Erziehenden als „negativ“ ansehen, versuchen sie zu unterdrücken, während sie „positive“ Eigenschaften verstärken wollen.
      +++

      Ausdrücklich wird unter Erziehung z.B. nicht verstanden: die Pflege eines Babys/Kindes, der Einfluss der Gesellschaft auf das Kind, der unbewusste Einfluss der Eltern auf das Kind etc.“

      Und ja – du hast Recht – wahrscheinlich „funktioniert“ Erziehung doch oft, während unerzogen gar nicht funktionieren will.

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  2. Äußerst spannenden: Da beißt sich doch die Katze in den Schwanz… als erstes definiert ihr das Wort Erziehung in so einer Art und Weise, dass ihr Euch davon distanzieren könnt, und dann wählt ihr ein Wort wie unererzogen und füllt Seiten damit diesen Begriff zu definieren und den Prozess, den ein Kind durchlebt um selbst- und eigenständig leben zu können, zu beschreiben.

    Und damit definiert ihr Eure Vorstellung von dem Prozess als unerzogen und es bleibt doch eine Form von Erziehung. Wenn die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kind keinen Unterschied machen würde zu der Beziehung zwischen Erwachsenen, dann bräuchtet ihr doch nichts schreiben. (Was ich schade fände, weil ich Euren Blog interessant finde ;-))

    Für mich ist Erziehung schon immer ein wechselseitiger Prozess gewesen, kein manipulatives Einwirken des Älteren auf den Jüngeren, sondern ein gemeinsames Lernen mit- und voneinander. Ja, jüngere Menschen/Kinder haben mich schon weit aus nachhaltiger erzogen, als so mancher Oberstudienrat.

    Christiane

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    1. Liebe Christiane, vielen Dank für deine Rückmeldung! Genau deswegen definieren wir ja so genau, damit klar wird welchen Aspekt von Erziehung wir ablehnen – nämlich den manipulativen. Nicht den gegenseitigen/wechselwirkenden. Leider erlebe ich in vielen Fällen, dass Manipulation oft als Erziehung „verkauft“ wird, um es irgendwie abzuschwächen. Unsere Kollegin Ruth wird bald einen dezidierten Artikel dazu veröffentlichen. Bleib gespannt! LG, Nicola

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