Was soll ich tun, wenn meine Mutter mich drängt, das Computerspielen meines Kindes einzuschränken?

Bildschirmfoto 2015-12-26 um 10.51.04Dani antwortet einer Mutter, die von ihrer Mutter unter Druck gesetzt wird, ihrem Kind das Computerspielen zu beschränken:

Weißt Du eigentlich, dass die Computerspieleindustrie die größte Medienbranche ist? Klar kann aus einem Computer spielenden Kind ein ITler werden , aber die Computerspieleindustrie ist wesentlich größer als man sich das so vorstellen mag und in so gut wie jeder Jobausschreibung dieser Branche steht bei Voraussetzungen: exzessive Videospielerfahrung. Film, Werbung, Online- und Printmedien sind ein Witz gegen die Spieleindustrie und es gibt da heute Jobs, von denen einige von uns als Kinder wohl geträumt hätten z.B. Spieletester*in, da werden Leute fürs Videospielen bezahlt, um Schwachstellen und Fehler im Spiel zu finden. Abgesehen davon kann man genauso im Profibereich Computerspieler*in werden wie Fußballer*in und die Branche wächst und wächst. Aber selbst wenn man keinen von diesen ganz neuen abgefahrenen Jobs macht bei denen man tatsächlich fürs Spielen bezahlt wird, sondern ganz langweilige Systemadministration macht, suchen die nach Leuten mit Gamererfahrung. Auch gar nicht ungewöhnlich sind Stellenausschreibungen wie: „we are looking for people who are exceptionally creative and open-minded, regardless of their level of experience.“ Damit dürften unschooler wie unerzogene wenig Probleme haben, oder?  Querdenken, offen sein für Neues, Neugier und Spaß am lernen – DAS sind die Eigenschaften, die in der Branche (noch mal: in der größten Medienindustrie, die stetig weiter wächst) dringend gesucht werden.

Für mich klingt das als ob unerzogene da sehr gute Chancen haben. Aber auch außerhalb der Spieleindustrie werden diese Eigenschaften immer mehr gebraucht. Ich glaube, Einstein war es, der sagte: „Man kann Probleme nicht mit dem selben Denken lösen, mit dem man sie geschaffen hat.“ Weißt Du, selbst wenn Dein Kind in eine ganz andere Richtung gehen wird- ich frage mich, was ist für Dich eine schönere Vorstellung? Dass er sich gesellschaftskonform verhält, wenig Zeit vor dem PC verbringt, weil eben andere Dinge wichtiger/gesünder sind und sich dabei häufig einfach seine Ruhe und nichts als Spielen wünscht – oder – dass er seiner Leidenschaft nachgeht, mit sich und der Welt zufrieden ist, obwohl der ein oder andere sich vielleicht darüber wundern mag wie viel Zeit er am Computer verbringt? Zwischen beidem liegen Welten und ich rate dringend davon ab, irgendwelche Zukunftswunschszenarien für die eigenen Kinder im Kopf zu haben. Mir hilft es manchmal, mir die Frage zu stellen, was wünsche ich mir für meine Kinder und was fänd ich sehr gruselig.

Sehr gruselig fänd ich, wenn sie einem Job nachgehen, der sie unglücklich macht, des Geldes oder der Anerkennung wegen. Was ich mir wünsche, ist, dass sie ihrem Herzen, ihrer Leidenschaft folgen und das Leben in vollen Zügen genießen, unabhängig von Geld oder gesellschaftlichem Ansehen. Die beste Vorbereitung auf eine uns allen unbekannte Zukunft mit Jobs und Problemen, von denen wir heute noch keine Ahnung haben, ist m.M.n. genau deshalb, unsere Kinder bei ihrer freien Entfaltung zu unterstützen und ihre natürliche Neugier und den Spaß am Lernen aufrecht zu erhalten.

Deiner Mutter würde ich an Deiner Stelle etwas sagen wie: „Ach Mensch, das hört sich anstrengend an, leider habe ich auch keine Idee.“ Denn Deine Ideen sind noch zu zart, um sie mit Erziehenden zu besprechen. Du hast eine Idee von unerzogen, von Dir, von dem wo Du hinwillst. Du willst nicht erziehen, das ist wunderbar und heißt in den meisten Fällen harte Arbeit an sich selber. Deshalb würde ich an Deiner Stelle wirklich vermeiden über Erziehung/Unerzogen zu sprechen. Eines Tages kommt der Zeitpunkt ganz von allein, an dem Dir 1000 gute Argumente gegen ihre Erziehungsmaßnahmen einfallen. Und auch dann wirst Du Dich vermutlich manches mal entscheiden, Deine Gedanken für Dich zu behalten, weil Du Dir sicher bist, Dein Gegenüber nicht zu erreichen. Aber es wird wahrscheinlich auch Momente geben, da wirst Du Deine Ansichten erklären und das Beste daran ist, es wird kaum jemand auf die Idee kommen zu widersprechen. Sie werden vielleicht Fragen stellen oder Dinge sagen wie: „Oh das könnte ich nicht, da fehlt mir die Geduld oder XY“ Aber die Menschen werden, wenn Du Dir sicher bist, so gut wie nie versuchen Dir das auszureden oder gar sagen Du würdest Deinem Kind schaden. Ich überlege gerade, wie lang es her ist, dass mir mal jemand Erziehungsratschläge gegeben hat. Ich weiß es wirklich nicht mehr, es kommt gar keiner mehr auf die Idee. Was mich häufiger wundert – und das gilt nicht nur bezogen auf Dich, sondern auch auf unschooler in unserem Umfeld. Woher kommt es, dass es euch so schwer fällt, euren Kindern zu vertrauen?

Ich habe da neulich einen Artikel zu gelesen, aber ich habe es trotzdem nicht verstanden. Ich meine vermutlich 90% der Unerzogenen haben doch ihren Babys vertraut oder nicht? Habt ihr nach der Uhr gestillt/Flasche gegeben oder wenn das Baby hungrig war? Habt ihr euren Babys aktiv krabbeln beigebracht (schließlich krabbelt in der Umgebung von Babys kaum jemand, wie sollen sie denn von alleine auf die Idee kommen zu krabbeln? ;)), habt ihr den Logopäden gespielt und aktiv versucht ihnen Sprechen bei zu bringen? Vermutlich nicht. Vermutlich habt ihr nach Bedarf gestillt und eure Kinder beobachtet wie sie krabbeln, laufen und selbst so etwas komplexes wie Sprache lernten. Wo ist da das Vertrauen auf der Strecke geblieben, es war doch am Anfang zumindest in diesen Bereichen da? Warum ist es jetzt weg, wo ist es hin? Und ist es wirklich das Vertrauen in das Kind was fehlt oder ist das Misstrauen anderen gegenüber so übermächtig, dass ihr eure Kinder vor diesen bösen Menschen und Technologien, die da draußen auf sie warten schützen müsst? Also muss wirklich am Vertrauen zum Kind gearbeitet werden oder am Misstrauen der Welt gegenüber?

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