Beziehung als Ort – Teil 1

Eine abstrakte, in Bilder gefasste Erzählung darüber was passiert, wenn wir (nicht) in Beziehung sind.

„In Beziehung gehen“ – Das Allheilmittel.

Überall in der bedürfnisorientierten und gewaltfreien Zwischenmenschlichkeit wird uns geraten „in Beziehung zu gehen“, wenn es Probleme gibt. _img_0586Jesper Juul gibt Schlüsselmerkmale für die Qualität von Beziehungen an – und ich bin mir sicher, dies lässt sich nicht nur auf die Eltern-Kind-Beziehung anwenden. Ich nutze im Folgenden seine Aufzählung (im nächsten Absatz fettgedruckt) mit einer kurzen Erläuterung.

Gleichwürdigkeit – Das Gegenüber als Menschen mit gleicher Würde behandeln
Integrität – kurz: Die Unverletzlichkeit der Existenz
Authentizität – verlässlich, vertrauenswürdig, echt
Verantwortung tragen – für einander und für sich selbst
Selbstwert und Selbstvertrauen – Wissen darüber, wer wir sind und was wir können
Wandel von einer Subjekt-Objekt-Beziehung zu einer Subjekt-Subjekt-Beziehung – Niemand wird als Gegenstand betrachtet, der ‚behandelt‘ werden muss, damit er sich den Vorstellungen des anderen gemäß entwickelt, sondern als vollwertiges Gegenüber mit all seinen ureigenen Entfaltungsmöglichkeiten; gelebte Umsetzung der Gleichwürdigkeit
Prozess des Wachstums einer Beziehung – Dem anderen Raum geben sein inneres Potential zu entwickeln; Immer zu wissen, eine Beziehung ist nie „fertig“ sondern, wie die Natur, immer in (einer wachsenden) Bewegung

Diese Aufzählung ist sicher nicht als Endprodukt von gelungenen Beziehungen zu betrachten. Es ist mehr eine Skala, die anzuzeigen vermag, wo in der Beziehung gerade etwas schiefgelaufen ist, etwas missachtet wurde oder noch gar nicht entdeckt.

Es mutet leicht an, wenn es dann ratgebend heißt: „Streit gehabt? Nicht schlimm! Suche zuerst nach Ruhe, dann geh in Beziehung, erzähl von dir, lausche aktiv und bitte vielleicht auch um Ent-schuldigung.“ „Unsicher, ob das nun ein Verbot ist, was den Kindern ausgesprochen wird oder handelst du hier aus Schutz? – In Beziehung gehen!““Die eigenen Grenzen wahren? – Nur, wenn du in Beziehung bleibst.“ Geburtstag vergessen? Nachbarschaftszank? Geschirrspüler nicht ausgeräumt? SchülerIn folgt nicht? Ruppiger Bahnangestellter …? Immer lautet die Lösung: In Beziehung gehen, stehen und bleiben ist das Mittel der Wahl, wenn es irgendwo unbehaglich zwischenmenschelt.

In Beziehung

Beziehung als ein Ort. Als Ort den ich betreten soll, wenn mir aber eigentlich die Lust danach steht, etwas umzuschmeißen, laut zu brüllen und es eigentlich der Kampfring ist, den ich betreten will. Von hier aus ist es nur so schwer, die Richtung zu wechseln oder überhaupt erst einmal diese Beziehung auszuloten: „Woooo biiiist duuuuu?“ Denn das Gefühl sagt mir oft, dass ja auch der andere gerade nicht in der Beziehung ist. Und da, wo eben nicht Beziehung ist, und ich mit anderen aber zusammen bin, da ist es mir ganz schön unheimlich. Denn da sind Angriff, Verteidigung und Verletzungen.

Ich schlussfolgere also: Wenn ich nicht in Beziehung bin, bin ich außerhalb davon . Aber wo genau ist das, wenn ich aus der Beziehung gehe, stehe oder bin? An welchen Orten befinde ich mich dann, wenn ich nicht in diesem geschützten, mir bekannten und angstfreien Ort bin? Ich häng mir dann am besten ein Schild um den Hals, auf dem steht: „Ich bin grade nicht da“?
D a … stehe ich auf Inseln. Abseits von dem sicheren Festland, das existiert, wenn Jespers Schlüsselworte genügend Beachtung finden. Ich will euch ein paar Beispiele nennen von solchen beziehungsfernen Inseln.

Bei den anderen
Auf diesem Eiland lege ich Wert auf das, was andere, die nicht (direkt) von der Situation betroffen sind, von dem denken, was ich tue und wie ich lebe. Die anderen sind immer die, die sich jetzt darüber etwas denken oder bestimmt denken werden. Die anderen werten und bewerten mich. Hier stehe ich in direkter Nachbarschaft zur nächsten Insel, der …

Erziehung
Ich handele, damit der andere … tut. Ich manipuliere, überrede, zerrede, werde vielleicht laut und schimpfe, rede mehr als das ich zuhöre, missachte die Meinung des anderen, treffe Entscheidungen alleine und befinde mich in einer machtvolleren Position bzw. empfinde mich so. Eine zutiefst verbundene Insel weiter finden wir uns wieder …

In den Fußabdrücken der Eltern
Kaum etwas in unserem Leben ist so prägend für unsere Persönlichkeit wie die ersten drei Lebensjahre (vgl. Piaget und co.). Wir sind gezwungenermaßen zutiefst soziale Lebewesen und deshalb so abhängig von unserem Umfeld, da es uns, besonders wenn wir klein sind, lebensfähig erhält. Unsere biologische Anlage sieht vor, die die uns direkt umgeben, haargenau zu untersuchen und sie möglichst nachzuahmen, denn: Wir wollen auch leben.
So saugen wir auf, was uns umgibt und verschmelzen damit für eine relativ lange Zeit. Zumindest so lange, bis wir lernen, selbstständig zu werden und dann später auch unser Handeln zu reflektieren. Kurz: Wir tragen unsere ersten engen Bezugspersonen als Teil von uns weiter in unserem Leben. Und da es meistens fast ausschließlich die Eltern sind, die wir in den ersten drei prägenden Lebensjahren um uns haben, nennt man diese erziehende, ernste, erwachsene Stimme in sich auch Eltern-Ich. Die, die ungefragt auftaucht, meist streng, bestimmt und strafend klingt, und mich oft zu einer Person macht, die ich eigentlich gar nicht sein will. Vor allem meinem Kind gegenüber. Handle ich aus dem Eltern-Ich, erkenne ich das unter anderem auch an dem sichtbaren oder unsichtbaren erhobenen Zeigefinger.

Verstand
Menschen tun. Immer. Etwas.Warum sie speziell dieses oder jenes tun, mag diese oder jene speziellen Gründe haben. Der Antrieb zum Tun aber kommt aus drei Ebenen. Ich möchte in diesem Kontext eine besonders hervorheben: den Verstand.
Da gibt es noch zwei andere Instanzen, die mitzureden haben, wenn es um Entscheidungen geht, aber die handlungsführende Instanz ist hierzulande eben oft der Verstand. Es gibt auch noch Herz (Fühlen) und Bauch (Intuition). Wobei diese beiden eher flexibel und beweglich sind, während der kopfgeleitete Verstand eben überwiegend statisch ist und sich selten überreden lässt, sondern (ver-)standhaft und überzeugt immer weiter nach logischen Argumenten sucht, anstatt kreativ durch die endlosen Sphären der Lösungsmöglichkeiten zu flowen.

Alte Wunden
Auatsch. Diese Insel tut weh. Egal wie alt die Wunde auch ist. Manchmal reicht ein Stichwort, manchmal nur ein Geruch, und wir werden hinauskatapulitert aus der Beziehung auf diese Insel. Hier fallen wir stante pede in alte (Schutz-) Muster.
Das Bild dazu: Wächst du in einem Land auf in dem es nahezu immer regnet, wirst du lernen, immer einen Regenschirm dabei zu haben. Später, wenn du erwachsen bist, ziehst du dann um in ein Land des puren Sonnenscheins. Und irgendwann fällt dir auf, dass du den Regenschirm immer noch jeden Tag bei dir hast. Einfach für den Fall der Fälle … Die Macht der Gewohnheit. Schließlich hast du es ja bisher nie anders gemacht.Sind wir hier einmal gelandet, finden wir uns mitunter wieder auf dem …

Selbsterhöhungspodest
Ich stelle mich lieber über mein Gegenüber und bin fest überzeugt: Ich weiß mehr(!), ich weiß es auf jeden Fall besser (!!) und überhaupt … (!!!). Fakt ist: Du hast mir gar nichts zu sagen.Schaut man genauer hin und ist ehrlich zu sich selbst, entdeckt man hier auch die …

Angsthöhle
Oh, ja. Hier lässt es sich gut verkriechen! Hierhin ziehe ich mich zurück und habe definitiv immer einen richtig guten Grund, nicht rauszukönnen. Oft hat mich der Verstand hierherbekommen.Es ist ein gutes Versteck, denn Angst ist ein Ur-Gefühl und kann daher schlecht von anderen in Frage gestellt oder kritisiert werden, also bietet sie mir automatisch Schutz.“Aber ich habe doch Angst um dich/mich/das!“ Wer weiß von da aus schon weiter, gar ein Gegenargument? Denn Gefühle lassen sich nicht in Frage stellen.
Das Dumme nur an diesem Ort: das „Wie-rauskommen“?

Erwartungen
Holla. Hier bin ich oft weit, weit, weit entfernt vom Festland. Ich habe Vorstellungen. Jeder Mensch hat Erwartungen. Alles andere wäre übermenschlich. Wenn ich diese Erwartungen auch noch mit anderen Menschen in Verbindung bringe, kann es mitunter schwierig werden, denn: Jeder hat unterschiedliche Erwartungen und (in die Zukunft gerichtete) Ansprüche. Und die widersprechen sich nicht allzu selten.

Vorausgeeilt
Apropos ‚in die Zukunft gerichtet‘: „Wenn du dir dreimal täglich die Zähne putzt, wirst du später einmal keine Karies bekommen!“, „Machst du jeden Tag deine Hausaufgaben, wirst du später einmal einen guten Beruf erlangen können!“, „Mache ich meinem Schatz heute das Abendessen, wird er bessere Laune haben!“, “ Schaffe ich jetzt schnell noch die Wäsche, kann ich nachher bestimmt noch im Buch lesen.“ … (Ja, ja, wir kommen von der Erwartungsinsel sehr leicht hierher.)
Alles in die Zukunft gerichtete Gedanken, die mich, mein Fühlen, Denken und Handeln im Jetzt beeinflussen. Und nicht nur mich. Ganz direkt auch meine Umwelt. Mit der ich es im Übrigen nur gut meine! Und die meinen reichen Erfahrungsschatz ruhig mal ernst nehmen soll. Echt mal! Weil isso. Weiß ich!

In einer anderen Beziehung
Ich komme aus einer Beziehungserfahrung und trete mit diesen Gefühlen gleich in die nächste:
Hömma! Da komm ich doch gerade schweißgebadet aus dem Kinderzimmer meiner Großen, das ich 2 ganze Stunden lang mühsam aufgeräumt habe, und da seh‘ ich doch glatt, wie mein anderes Kind völlig achtlos sein Bonbonpapier  u n d  sein Spielzeug liegenlässt, munter weiter seines Weges geht UND mein Mann sitzt vergnügt daneben und rührt noch nicht mal einen Finger!Da platzt mir natürlich die Hutschnur! Ich putz doch nicht hier hinter allen Ärschen her, ey! Spinn ich denn???!!! Grrrmmpffff*>’dsg*rg?h!(j&jkki§u%!4s<7aa8f*’gh’*h_:k;jf)j!/§% …… huch?!  … … Wo war ich denn da gerade? …
Ich übertrage aus der einen in die andere Beziehung.

Der Weg in die echte Beziehung ist der Weg zurück zu mir.

Der gemeinsame Nährboden aller Inseln ist sicherlich immer eine Form von Angst. Daher ist es ratsam erst einmal zu fragen: Ist die aktuelle Wurzel der Angst nützlich, hilfreich, gar essentiell? Oder liegt die Gefahrenquelle doch nur im eigenen Kopf?
Noch ist jeder Insel etwas gleich: Ich bin da überall und immer bei anderen, wo andere vor mir waren und Erfahrungen dagelassen haben. Gespeist aus „Altem“ oder (trotz mangelnder Zeitreisefähigkeiten) schon in der Zukunft. Nicht da. Nicht im Jetzt. Nicht bei mir, hier, in meiner Mitte.
Zwischenstation zwischen mir und der echten Beziehung heißt also „Ich“. Der rettende Strand, der Hafen, da wo ich in der gleichwürdigen, integren, authentischen, verantwortungsvollen, wert- und vertrauensvollen, subjekt-zu-subjekt-geführten und sich im Prozess wandelnden Beziehung ankomme.Das Festland beginnt bei mir.

Welche Inseln fallen dir noch ein?
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23 Gedanken zu “Beziehung als Ort – Teil 1

  1. Toller Artikel

    Ich habe meinen 1. Sohn leider sehr erzogen die ersten 3 Jahre 😦
    Kann ich das wieder gut machen? Ich will mich ändern, es besser machen und habe Angst ihn schon verändert zu haben….ich habe nich sehr auf den Rat anderer verlassen und nie auf mein Herz gehört am Anfang. Ich frage mich immer wieder ob ich ihn schon zu sehr manipuliert habe? Er ist nun 4, sehr willensstark, kommt mit Wut nicht gut klar und verbalisiert dies in Hauen, Zwicken, etc. Vor allem Mia 2.5 Jahre bekommt es ab seine „Gefühlsausbrüche“ oft frage ich mich ob ich für das Verhalten verantwortlich bin, ob ich schuld bin das er so ist?

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    1. Danke für deine Gedanken, Sedaya!

      Ich denke das es echt eine fette Aufgabe ist, sich von den Erwartungen anderer, von der eigenen Erziehung und den anderen „Inseln“ zu lösen und sich auf einen eigenen Weg zu machen.
      Du hast dich bewusst entschieden es nun anders zu machen und bist so, als enger Bezugspunkt deines Sohnes ein direkter „Einfluss“, allein durch das was du vorlebst. Also kannst du immer (!) entscheiden es jetzt (!)) anders zu machen.
      Deinem Sohn wird es vermutlich nicht darum gehen, wer „Schuld“ an seinem Verhalten ist. Er wird aber ganz direkt spüren, wenn du es fortan anders machen wirst. Jeden Tag, in jeder einzelnen Situation.

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  2. Mir scheint, dass du den Beziehungs-Begriff grundsätzlich mit positiven Dingen in Verbindung bringst. Gibt es nicht auch Beziehungen, die durch eher negative Momente oder Gefühle bestimmt sind? Hat also nicht auch der Häftling eine Beziehung zu seinem Wärter, der Unterdrückte eine Beziehung zu seinem Unterdrücker, der Zögling eine Beziehung zu seinem Erzieher?
    Gehört nicht also grundsätzlich eine qualitätsanzeigende Bezeichnung zu dem von dir benutzten Begriff oder eben zu dem Begriff „Beziehung“, wie du ihn benutzt?

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    1. Lieber Fritz!
      Wow. Danke für diese spannende Perspektive! Das Wort Beziehung werde ich mir nochmal aus dieser Warte anschauen. Und naturlich hast du Recht damit, das nicht jede Beziehung gleich auch eine für beide Seiten fruchtende ist.
      In diesem Artikel (und den weiteren Teilen), beschäftige ich mich mit dem Thema rund um die Formulierung „in Beziehung gehen“. Das lese und höre ich so oft und wollte mich damit beschäftigen, was mir das eigentlich sagen soll. Wo soll ich hin? Wo bin ich jetzt? Wo bin ich, wenn ich dort nicht bin, wo Beziehung ist?, usw.
      Fällt diese Formierung in irgendeiner Form, kann ich schon davon ausgehen, das mindestens einE BeteilgteR, an dieser Beziehung gelegen ist. Wenn also der Gefängniswärter Wert auf eine konstruktive Beziehung zum Insassen legt, könnte ihm geraten werden, nicht in Sanktionen zu denken, sondern mal in persönliche und empathische Kommunikation (halt „in Beziehung“) zu gehen.

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  3. Vielen Dank für deine schnelle Antwort. Nach meiner Auffassung hat der Gefängniswärter eine Beziehung zu seinen Insassen. Für mich beginnt eine Beziehung zwischen zwei Menschen mit der Begegnung.
    Bei dem Gefängniswärter-Beispiel scheint Beziehung Macht und Zwang zu ersetzen, bzw. benötigt der Gefängniswärter keine aufgewertete (konstruktive) Beziehung, da er über Macht- und Zwangsmittel verfügt. In anderen Bereichen der Gesellschaft und im sozialen Miteinander bekommt Macht und Zwang einen immer größeren negativen Beigeschmack. Da kann eine aufgewertete Beziehung diese Dinge ersetzen. Deutlich erkennbar ist mir das bspw. bei deinem Beispiel der SchülerIn geworden, die nicht folgt. Die Machtmittel der LehrerInnen ziehen in unserer Gesellschaft nicht mehr so, wie noch vor vielleicht 50 Jahren. Die Zähne der Lehrkräfte sind/ werden stumpf. Da scheint eine Beziehung ganz passend zu kommen, um die SchülerInnen wieder zum Folgen zu bewegen.
    Was dann zu der Frage führt, ob die Beweggründe für die Intensivierung einer Beziehung nicht wesentlich sind. Oder anders formuliert, ob nicht alle noch so intensivierte und aufgewertete Beziehungen als schlechte Beziehungen zu bewerten sind, wenn sie zu einem Zweck intensiviert oder aufgewertet werden. Ich würde das bejahen.
    Mir scheint es also bei der Benutzung des Begriffes „Beziehung“ notwendig, die Motivation zu betrachten und die Intensivierung und/ oder Aufwertung der Beziehung herauszuarbeiten.
    An den Stellen, an denen Zwang und Macht durch Beziehung getarnt wird (z.B. Schule), plädiere ich übrigens für den Zwang und den Machtgebraucht. Das scheint mir ehrlicher…

    LG
    Fritz

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    1. Lieber Fritz!
      Ich freue mich sehr über deine Beiträge! Ich finde deine Gedanken bereichernd. Und du greifst da einen Punkt auf, der mir sehr am Herzen liegt. Ich habe ganz bewusst die Formulierung „SchülerIn folgt nicht“ gewählt, und bin da zu hundert Prozent deiner Meinung!
      Der Grat zur Manipulierung ist hier sehr aussagekräftig und ich fand Jespers Punkt „Wandel von der Subjekt-Objekt- zu einer Subjekt-Subjekt-Beziehung“ dazu sehr passend. Die Beziehung zu nutzen, um nicht erziehen/manipulieren zu müssen, aber auch nicht zu be-nutzen, um anderen meine Vorstellungen aufzudrängen.
      Natürlich kann ich in einem Blogartikel nicht auf jeden mir wichtigen Aspekt eingehen (…wer hat schon Zeit zum Lesen, hier im Internet 😉 …), deswegen bin ich sehr froh um so wache und hinterfragende Leserschaft.
      Danke!

      Hannah

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      1. Hallo Hannah,

        du hast also bewusst die Formulierung „SchülerIn folgt nicht“ gewählt. Das hatte ich mir grundsätzlich schon gedacht, nur ist mir noch immer nicht klar, was genau du mit dieser Auswahl ausdrücken wolltest.

        Meiner Meinung nach kann eine LehrerIn-SchülerIn-Beziehung nur dann von einer Subjekt-Objekt-Beziehung zu einer Subjekt-Subjekt-Beziehung werden, wenn sie ohne Zwang eingegangen werden kann. Innerhalb unseres Schulsystems kann es das also nicht geben. Wir können zwar Rollen annehmen – und so kann der Lehrende situationsbezogen zum einfachen Menschen werden, er bleibt dabei aber trotzdem der Lehrende.

        Das selbe gilt dann natürlich auch bei Eltern. Sie können situationsbezogen einfache Menschen sein, sie haben trotzdem alle Machtmittel. Deshalb ist die Abschaffung der Erziehung auch eine gesellschaftliche/ eine politische Aufgabe.

        Deshalb ist die Suche nach der Motivation, warum ich eine Beziehung aufwerten will – oder du schreibst „in Beziehung gehen“ will – so ungeheuer wichtig. Ich unterstelle dem Lehrenden (innerhalb unseres Schulsystems) an dieser Stelle grundsätzlich Manipulation, denn am Ende gibt es einen Job zu erfüllen…

        LG
        Fritz

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      2. Lieber Fritz, ohne Euren vorherigen Diskurs studiert zu haben, will ich mich hier schnell mal einmischen. Im gängigen Schulsystem gebe ich dir mit denen Ausführungen zum Lehrer*in – Schüler*in – Verhältnis Recht. In den Schulkontexten in denen sowohl Hannah als auch ich mich bewege – in Freien und Demokratischen Alternativschulen – ist das anders. Jedenfalls wollen wir das. Da geht es um Beziehung. Auf Bewertung wird verzichtet. Dadurch sind Manipulationsmöglichkeiten – so hoffen wir – jedenfalls etwas eingeschränkt.
        Im Regelschulsystem ist die Macht der Lehrer*innen über die Schüler*innen weiter gegeben, ohne Frage.
        Stellen an denen sich Lehrer*innen als „einfache Menschen“ zeigen, gibt es glücklicherweise immer häufiger. Und ich möchte gerne dazu beitragen, dass sie immer immer mehr werden und sich die Beziehungen auch im Kontext von Schulen zu Subjekt-Subjekt-Beziehungen wandeln.
        Herzlich, Nicola

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      3. Lieber Fritz!

        Ich gehe da mit:
        Unser Schulsystem wie es jetzt ist, verhindert die absolute Freiwilligkeit in der Auswahl der Beziehungen, oder schränkt diese zumindest ein. SchülerInnen haben, auch an Alternativschulen, nur eine bestimmte Auswahl an Erwachsenen, mit denen sie allein durch die Anwesenheitspflicht mehr oder weniger gezwungen sind eine Beziehung einzugehen.

        Warum ich diese Formulierung gewählt habe, interessiert dich noch einmal besonders.
        Wie Nicola schon gesagt hat, bewege auch ich mich im Raum von Freien Alternativschulen, die ja ausgewiesenermaßen genau d a s wollen: in Beziehing gehen. Auf Beziehung setzen und das die Grundfeste sein zu lassen von Vertrauen.
        Auch hier sehe ich die Krux, die du ansprichst
        Nun habe ich die Erfahrung gemacht, das dennoch eine Subjekt-Subjekt-Beziehung sehr wohl möglich ist. Das ist allein dann möglich, wenn ich diese Beziehung eben nicht ‚benutze um-zu…‘ sondern einfach als Haltung in mir fühle: Weder mein Alter, Beruf, Wissen, (…) stellt mich über dich.
        Wenn also beispielsweise einer/m PädagogIn sich beklagt, dass einE SchülerIn ’nicht folgt‘ und ihr/m geraten wird „in Beziehung zu gehen“, kann sich diese Person entscheiden sich von alten und oft unterbewussten Strukturen lösen, in dem er/sie sich diese erst einmal bewusst macht. Sich anschaut auf welcher ‚Insel‘ sie/er warum gestrandet ist, und wie nun wieder dem ‚Festland‘ näher kommen kann.
        Das könnte die Person dem Ziel den anderen nicht mehr als Objekt zu betrachten, schon ein erhebliches Stück näher bringen.

        Das ist für mich persönlich der Kern: Kinder sind eine ganze Weile abhängig von den Großen und somit, wie du schon sagstest, selbst in ihrer Familie in einer „Zwangsbeziehung“, um es mal schrecklich negativ zu benennen. Und DA sehe ich die Verantwortung der Älteren sich selbst kennenzulernen und zu reflektieren. Dazu wollte ich gerne einladen mit diesem Artikel.
        Nicht um Beziehung als das perfekte Endprodukt von zwei Indiviuen zu beschreiben, sondern um aufzuzeigen, dass da wo Beziehung ist, es die Notwendigkeit der Selbstreflexion gibt.

        Ich hoffe, ich konnte meine Beweggründe verständlich machen.

        Liebe Grüße,
        Hannah

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  4. Zum Freiheitsbegriff auf dem Bild oben — und warum Freiheit nicht herrscht:

    Freiheit:
    Ein Ideal, das sich aus Vernunft selbst trägt
    ohne Menschen einzuschüchtern
    und das den Machtverlust nicht fürchten muss,
    weil es nach Macht nicht strebt.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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      1. Ja, entschuldige bitte Eckhardt. Das Bild haben wir nochmal raus genommen. Wir sind grade ein paar Tage online mit dem Blog,viele Leute schreiben mit, work in progress.
        So haben wir beschlossen sämtliche Memes noch einmal rauszunehmen, zu vereinheitlichen und dann wieder reinzunehmen.

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  5. Schon OK, das besagte Zitat von Erich Fried kann man ja leicht via Google finden:

    „Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der lügt, denn Freiheit herrscht nicht.“

    oder

    „Zu sagen: Hier herrscht Freiheit
    ist immer eine Lüge
    oder auch ein Irrtum.
    Freiheit herrscht nicht.“

    Gruß
    Eckhardt Kiwitt, Freising
    _____
    P.S.:
    WB ist wissenbloggt.de — dort kommentiere ich ab und zu

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  6. Liebe Hannah, liebe Nicola,

    leider fehlt nun unter euren beiden Antworte die Antwortfunktion. Ist das technisch bedingt, oder soll mir das vielleicht etwas sagen. Es ist ja eure Spielwiese und gerne möchte ich mich an eure Regeln halten.
    Wünscht ihr eine Entgegnung auf eure Antworten an mich?

    LG
    Fritz

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    1. Lieber Fritz!
      Ich hatte das selbe Problem.
      Ich bin leider kein Techniknerd und weiß nicht, wie beheben. Ich habe einfach auf die „nächste“ Antwortmöglichkeit geklickt. Magst du das einfach auch machen? Ich bin gespannt!
      LG, Hannah

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      1. Liebe Hannah,

        Ich stimme euch ganz und gar zu, dass das, was übrig bleibt, wenn Menschen auf Erziehung verzichten, die Beziehung ist. Dieser Begriff ist mir – da ich ein Mensch bin, der auf Erziehung verzichtet (verzichten möchte) – sehr wichtig. Wohl so wichtig, wie dir/euch.

        Erzieherisches Handeln ist oft, wenn nicht immer, ein Handeln „um-zu“. Also handelt der Erziehende um einen anderen Menschen zu etwas vom Erziehenden ausgesuchten zu bringen.
        Wenn also „In-Beziehung-gehen“ in dieser Art verwendet wird, dann wittere ich Erziehung.

        Das Erleben einer Subjekt-Subjekt-Beziehung ist etwas sehr subjektives. Sicherlich gibt es objektives, was in speziellen Situationen gegen so eine Beziehung spricht. Eine Subjekt-Objekt-Beziehung ist also einfacher feststellbar. Das Fehlen von Dingen, die eine Beziehung zur Subjekt-Objekt-Beziehung macht, bedeutet aber nicht unbedingt, dass es sich dann um eine Subjekt-Subjekt-Beziehung handelt. Das liegt auch daran, dass Beziehungen zwischen konkreten Menschen auf einen größeren Rahmen bezogen sind. Sie also Geschichte haben. Wenn sie denn Geschichte haben, also nicht ganz neu gegründet sind.

        In meiner verallgemeinerten Wirklichkeit bedeutet ein nicht mit dem Lernenden abgesprochener Lehrauftrag grundsätzlich, dass es eine Subjekt-Objekt-Beziehung gibt. Natürlich kann es innerhalb dieser Beziehungen Momente geben, in denen das Objekt als Subjekt gesehen wird. Allgemein kann es das aber im Rahmen unseres Schulsystems nicht geben. Auch nicht an Demokratischen Schulen. Auch dort sind viele Kinder unfreiwillig. Auch dort gibt es Erwachsene, die Bildungsziele verfolgen, die nicht mit konkreten Kindern abgesprochen sind. In gewisser Weise sind diese Schulen „freier“ als andere Schulen. In gewisser Weise verschleiern sie aber auch das allgemeine Problem von Beschulung. Auch durch das Hilfsmittel „In-Beziehung-gehen“.

        Was du über die Notwendigkeit der Selbstreflektion geschrieben hast, das hat mir sehr gefallen.

        LG
        Fritz

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      2. Lieber Fritz!

        Auch wenn ich es doch etwas positiver betrachten würde als du, kann ich dir da in keinem Argument gänzlich widersprechen.
        Positiver in dem Sinne, als das ich weiß, dass das Zu-Lernende den/die LernendeN zu einem Objekt der Beziehung werden lassen kann, ich aber grade auf FAS beobachte, dass hier der Wille vieler Erwachsener groß ist, sich zu reflektieren, sich zu verabschieden von Zeigefinger und Besser-wissen. Das ist für mich das wichtigste Moment an Alternativschulen und gehört aufgedeckt – und nicht verschleiert!
        Auch außerhalb von Schule. Überall sollte ‚in-Beziehung-gehen‘ ein Selbstzweck sein.

        LG,
        Hannah

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    2. Lieber Fritz, ich weiß leider auch nicht was die Technik da macht. Sicher gibt es Work-Arounds – so wie Hannah ja auch geschrieben hat.
      Ich werde mich aus der Diskussion jedoch zurückziehen und brauche keine Entgegnung von dir.
      LG Nicola

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