Sollte mein Kind alles essen dürfen, was es will?

430766_10200103534089235_359626569_nAntwort auf kritische Stimmen bezüglich eines Kommentars von Ruth:

Ich sag Dir mal, wie es mir damit geht. Ich wurde EXTREM reguliert. Von Eltern, die es lieb meinten, total öko waren usw. Ich hab gejiepert nach Süßigkeiten. Kaum war ich alt genug, hab ich alles Süße gefressen, wie ich nur konnte. Bis vor einiger Zeit war es mir unmöglich, damit aufzuhören. Ich hab ’ne Packung Kekse aufgemacht und verschlungen. Ich KONNTE nicht aufhören. Ich hab meinen eigenen Kindern heimlich das Süße weggefressen. Ich war verzweifelt – ich wusste, wie ungesund das ist. Ich beschäftigte mich mit Zucker und Abhängigkeit und all dem. Lange. Ich lebte zuckerfrei – nur, um noch schlimmere Rückschläge zu erleiden. Ich habe meinem Partner das Einkaufen überlassen, damit er mir WENIG Süßes mitbringt, und so weiter. Es hat mich eingeschränkt. Beschämt. Es war mir so unendlich peinlich.

In dieser Zeit habe ich meine Kinder reguliert – aus eben jenen Gründen, die hier genannt wurden. Ich war überzeugt, dass Zucker der Teufel ist (und denke auch heute, dass es tatsächlich sehr schädlich sein kann). Ich habe hart reguliert – und heimlich selbst gefressen. Lange nachdem ich die Haltung ‚unerzogen‘ kennengelernt habe, konnte ich diese Regulation nicht aufgeben. Ich hatte Angst. Und dann hab ich es getan. Und mein Sohn hat gefressen wie doof. Und wir haben uns reingegrooved. Und wir haben Vertrauen gefasst. Und heute essen wir Süßes, wie alles andere auch – mal mehr, mal weniger, mal ist es alle.

Und ich habe auch gefressen, wie mein Sohn. Immer wieder bin ich an die nun für alle freigegebenen Süßigkeiten vorbeigegangen und hab gegessen. Und dann immer weniger. Und heute hab ich geschafft, was Therapien und sonstwas nicht geschafft haben: Ich kann essen, was, wann und wie ich will. WEIL ich es will. Weil ich es nicht verteufele. Weil ich meine Beziehung ZU MIR SELBST geheilt habe. Weil nicht Schuld und Scham mein Essen begleiten, sondern Freude und Genuss.

Deswegen reagiere ich auf solche Posts manchmal routiniert-ironisch. Ich KENNE diese Gedanken. Ich stand da, wo die Fragestellerin steht. Und viele andere, die sich hier so klar äußern, kennen das auch. Ich habe mich aus den Gründen, die hier genannt sind, gegen die Angst und für die Liebe und für die Eigenverantwortung entschieden. Und ich mag nicht, wenn jemand versucht, diesen Weg, den ich gegangen bin, als falsch darzustellen.

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