Wenn sich unerzogen nach Hochleistungssport anfühlt …

img_5028Ein Plädoyer für neue Mitglieder in der unerzogen-Facebook-Gruppe

Ihr Lieben,

wenn ich in den Kommentaren und Beiträgen stöbere, erlebe ich, dass viele sich scheinbar schier erschlagen fühlen von den Dingen, die andere Eltern berichten und als Hinweise in gut gemeinter Absicht mit auf den Weg geben. Manchmal vielleicht, weil es so ganz anders ist als das, was sie bisher gelebt haben, manchmal, weil es klingt wie aus einem Paradies, in welches sie noch keinen Zugang gefunden haben, oder auch, weil es einfach nur total schräg und abgefahren scheint, was „diese (Hardcore-)Unerzogenen“ da so treiben.

Einige werfen nach wenigen Tagen entnervt das Handtuch und treten (aus der Facebook-Gruppe) aus oder schauen nie weder rein, einige bemühen sich, zu verstehen, was hier eigentlich los ist, oft mit einer Mischung aus Bewunderung und Erstaunen, andere machen sich langsam auf den Weg, sammeln Infos und tauchen ein in die Welt, die sie gerade entdecken.

Stellt euch vor, ihr seht einen wunderbaren Pianospieler auf der Straße. Und ihr wünscht euch, ihr könntet auch diesem Kasten derartigen Zauber entlocken. Was ist wohl nötig, um dies zu erreichen? In der Regel vor allem: Interesse, Geduld, Beharrlichkeit, Faszination – und insbesondere die große Gabe, sich die schrägen Töne zu Beginn der anstrengenden Übungszeit zu verzeihen.

Jeder, der hier ist, hat auf irgendeine Weise zu uns gefunden. Durch Empfehlung oder Hören-Sagen, durch einen Artikel oder ein Gespräch, irgendetwas, was in ihm ausgelöst hat – „hey, das könnte was für uns sein“. Weil scheinbar das, was bisher war, euch nicht glücklich gemacht hat.

Und nun seid ihr hier. Wunderbar. Nehmt euch Zeit zum Lesen und Entdecken. Nehmt euch Zeit zum Verstehen, zum Eintauchen, zum Begreifen mit allen Sinnen, zum Transformieren und zusammen Weitergehen.

Der Grund, warum wir uns seit Jahr und Tag gegen ein „Unerzogen für Anfänger in 10 einfachen Schritten“-Rezeptbuch wehren ist genau das – es gibt keine einfachen Rezepte. Denn was sich mit euch verändern wird, das seid ihr. Ihr als Eltern, als Partner, als Menschen, die mit anderen in Beziehung gehen. Ihr könnt nicht hier sein auf der Suche nach Strategien, die Erziehung durch Nichterziehung ersetzen. Ihr könnt Erziehung nur durch eins ersetzen: Beziehung. Das Sehen des anderen – und das Sehen von euch selbst. Wenn Erziehung wegfällt und nichts anderes kommt, dann entsteht Angst, Leere, ein Vakuum … und daraus wird sich kein gut blühendes Pflänzchen entwickeln.

Oft entsteht scheinbar der Eindruck, dass wir – die schon länger mit unseren Familien das leben, woran wir aus tiefstem Herzen glauben – perfekt sind auf allen Ebenen. Die immerglücklichen Eltern mit den immerglücklichen Kindern – ein Werbegesicht, nur vielleicht schmutzig und Schokolade essend (aber natürlich ohne Karies an den Zähnen). Und die Wahrheit ist: Wir sind genau so, wie alle anderen Eltern auch. Wir haben Zweifel, wir hinterfragen uns, wir probieren Dinge aus und lassen sie wieder fallen, wir machen Fehler und verzeihen uns diese, wir sind laut und unangenehm, weil wir einen schlechten Tag haben, wir lieben und streiten, wir sind genervt von den Kommentaren der besserwissenden Nachbarn und sorgen uns um die Gesundheit unserer Kinder. Auch wir sind auf dem Weg. Denn der hört nie auf. Jeder Tag mit Kindern ist eine neue Herausforderung – und doch sind wir bereit, dieser neugierig zu begegnen und zu schauen, was entstehen kann, wenn wir uns wirklich sehen, anstatt uns gegenseitig in eine Richtung ziehen zu wollen.

In diesem Sinne – neue Mitglieder, alte Hasen, aktive Schreiber, stille Mitleser, Zweifelnde, Ratsuchende oder Verwirrte – habt Geduld, gebt euch Zeit, geht weiter Schritt für Schritt und vergesst nicht: Das Wichtigste ist unterm Strich immer noch … die Liebe! Und dafür braucht ihr kein Rezept.

 

 

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2 Gedanken zu “Wenn sich unerzogen nach Hochleistungssport anfühlt …

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