Wie kann ich auf das Autonomiebedürfnis meines Kindes reagieren?

11755628_10206979155175465_8988290876526551118_nDie so genannte Trotzphase macht Kindern, deren Eltern auf Erziehung verzichten, oft das Leben schwer (den Erziehenden übrigens auch). Nicola versucht einen neuen Blick auf diese Art von Begegnungen.
Es gibt Phasen, in denen Kinder schneller wütend werden als in anderen; es gibt Phasen, da sind sie mehr im Widerstand gegen z.B. die Eltern als in anderen; es gibt Phasen, in denen ist das Autonomiebedürfnis des Kindes größer als das Bedürfnis nach Nähe. Meistens sind das aber gar keine Phasen, sondern Momente. Wenn Autonomie dann eingeschränkt wird, kommt Wut. Und unter der Wut liegt meist Schmerz über Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein. 

Kinder wollen nicht kämpfen

Pädagog*innen nennen das Trotz. Mit einer explizit negativen Konnotation des Begriffes. Oft hört man Sätze wie „der trotzt nur“ oder „oh, ein Trotzanfall, das geht vorbei, gar nicht drum kümmern“ oder ähnliches. Das sind jedenfalls die landläufigen Bemerkungen gepaart mit: „die will nur ihren Willen durchsetzen“ „da müssen Eltern standhaft bleiben“, oder „die braucht klare Grenzen“ „Konsequenz ist wichtig“.
All diese Sätze werten das Kind in seinem Empfinden ab, nehmen es nicht ernst. Das Kind will keinen Kampf, es weiß weder ein noch aus. Es ist überwältigt. Es braucht Hilfe und Verständnis, es kommt nicht mehr zu recht mit den bis jetzt geübten Strategien. Stattdessen wird ihm unterstellt, es trotze, sei bockig oder wahlweise zickig und müsse lernen sich anzupassen.

Welches Verständnis haben Erwachsene?

Es geht also nicht um die Phase im Leben, in der Kinder hin- und her gerissen sind und manchmal sehr verzweifelt. Die gibt es.
Es geht darum, welches Verständnis wir Erwachsenen dafür haben und wie wir darauf eingehen. Solange wir „Trotz“ denken und sagen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass wir uns genau wie der Begriff unterstellt in Widerstand gegen unser Kind begeben und es beugen wollen.
Schauen wir mit bedürfnisorientiertem Blick auf die geäußerten Gefühle können wir uns oft besser mit unseren wütenden verzweifelten Kindern verbinden und wenigstens den Versuch unternehmen zu verstehen, was da gerade los ist.
D.h. nicht, dass wir immer und überall sofort dafür sorgen können (oder sollten), dass alle Bedürfnisse und Wünsche auf der Stelle befriedigt werden, aber wir können uns empathisch mit unserem Kind verbinden und mit ihm spüren, den Frust aushalten, und oft vielleicht auch Abhilfe in Aussicht stellen. Meistens hilft das sehr.

Nicola Kriesel 

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