Müssen Kinder Grenzen haben?

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Ruth anwortet auf die Frage, ob und wo Eltern ‚Grenzen setzen‘ sollten:

Ich hab Grenze als Wort für mich abgeschafft. Es hilft nicht und es engt mich ein in der Lösungsfindung. Es ist ne Metapher – und so sehr ich Metaphern liebe, diese hier lässt für meinen Geschmack zu viel Raum für Interpretation.

Ich schlage vor, ‚Grenze‘ mit ‚Verantwortung‘ zu ersetzen. Eine Grenze ist starr – wenn sie überschritten wird, muss sie verteidigt werden. Oder ich muss die Niederlage hinnehmen. Oder Mauern hochziehen. Oder so… alles nichts, was mit Beziehung zu tun hat. Und mit Augenhöhe auch nicht. Es geht dabei um Macht.


Wenn wir von Verantwortung reden, reden wir auch von Verantwortung mir selbst gegenüber. Dem Kind gegenüber. Der Welt gegenüber. Mit diesem Begriff bekommen wir auch die unterschiedlichen Inhalte unter einen Hut, sei es die Steckdose oder das ich gerade kein fünftes Brot mehr schmieren will. Wir reden dann über Bedürfnisse und ihre Erfüllung und unsere Verantwortung für unser eigenes Wohlergehen und dass des Kindes, die eben immer wieder auch mal kollidieren können. Das kommt mir viel konstruktiver und beziehungsorientierter vor, so zu denken.

Wenn mich also mein Kind haut und ich mir sage ‚So. Nun ist hier aber ne Grenze erreicht‘, dann verteidige ich, erkläre oder sonstwas, und zwar gegen mein Kind gerichtet. Wenn ich in Verantwortung denke, also sowas wie ‚Hm, damit gehts mir nicht gut, ich mag gerade für mich sorgen‘, kann ich für mich handeln und nicht gegen andere (das erklärt Juul in ‚Nein aus Liebe‘ ganz gut). Die Verantwortung bleibt dabei bei mir – ich will das nicht, ich schaue, dass ich mich schütze. Weil ich für mein Wohlergehen verantwortlich bin. Und nur ich weiß ja auch, wie es mir geht! Gleichzeitig ist das nicht starr – ich kann auch ne ganz andere Lösung finden, zum Beispiel, dass mein Kind eben mal fünf Minuten hauen kann und dann machen wir was anderes. Je nach dem, wie es mir geht und dem Kind. eEine Grenze hingegen ist dafür anfällig, dass sie starr bleibt.

Das gleiche bei der Steckdose. Ich kann denken ‚Hier muss ich aber ne Grenze setzen‘ oder ‚ich will meine Verantwortung als Mutter wahren‘. Ersteres muss sich gegen das Kind richten, letzteres stellt nur fest, was mir wichtig ist und dann kann ich schauen, wie ich meine Verantwortung umsetze. Ich kann die Steckdosen sichern, das Kind ablenken, den Strom ausschalten, mich über die tatsächliche Gefährlichkeit von Steckdosen informieren und dann entscheiden… Das alles kann ich nicht, wenn ich Grenzen verteidige. Das kann ich, wenn ich gerade stehe für das, was ich entscheide und abwäge und Beziehung bin.

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