Machen Fernsehen und Süßigkeiten Kinder süchtig? – So kannst du es verhindern

Die Angst vor Sucht führt zum Einsatz von Macht

IMG_6454Es gibt kaum ein Thema, welches Eltern mehr zu beschäftigen scheint als die Angst vor Sucht. Viele Eltern haben Angst, dass ihre Kinder durch den Konsum von Süßigkeiten oder auch durch den Konsum von Bildschirmmedien süchtig werden. Die Angst und Überzeugung, dass der Konsum schädlich ist, ist mitunter so groß, dass viele Eltern, um ihre Kinder zu schützen, bereit sind ihre Macht einzusetzen.

Beim Konsum von Medien sehen die vermeintlich schützenden Maßnahmen dann so aus:

  • Die Zeit, in der Kinder vor dem Fernsehen sitzen dürfen, wird begrenzt
  • Die Zeit, welche Kinder für PC-Spiele haben, wird ebenfalls stark limitiert
  • In manchen Haushalten wird gänzlich auf bestimmte Geräte verzichtet
  • Einige Familien verbieten ihren Kindern ganz, bestimmte Geräte bis zu einem gewissen Alter zu benutzen

Ähnlich verhält es sich bei Süßigkeiten:

  • Die Menge an Süßigkeiten im Haushalt wird begrenzt
  • Süßigkeiten werden außer Reichweite der Kinder verwahrt
  • Bekommen die Kinder Süßigkeiten geschenkt, werden diese weggeschmissen, eingeteilt oder weggepackt
  • In einigen Familien erhalten Kinder Süßigkeiten nur dann, wenn sie es sich verdienen oder zu ganz besonderen Anlässen. – Es soll ja die Ausnahme bleiben.
  • Andere Familien wiederum verzichten vollständig auf zuckerhaltige Produkte, aber auch hier betrifft der Verzicht oft nur die Kinder.
  • Durch den Druck einiger Eltern, erlauben viele Kindergärten mittlerweile selbst zu Kindergeburtstagen nicht, dass das Geburtstagskind mit einem Kuchen gefeiert wird…

Der Phantasie vieler Eltern ist bei dem Thema keine Grenzen gesetzt. Die Angst vor Sucht und der legitime Wunsch die eigenen Kinder zu schützen, ist so groß, dass es alles zu rechtfertigen scheint:

  • Fremdregulierung: Die Eltern regulieren den Konsum der Kinder. Sie haben ja mehr Lebenserfahrung und wissen, was den Kindern gut tut…
  • Alterdiskriminierung: Bestimmte Geräte oder Naschereien stehen nur den Eltern zur Verfügung. Schließlich sind die Kinder ja noch im Wachstum…
  • Lügen: „Es gibt keine Schokolade im Haus.“ Aber kaum liegen die Kinder im Bett, werden die Vorräte durch die Eltern geplündert. Oder der Fernseher ist kaputt und läuft wie von Geisterhand wieder sobald die Kinder aus dem Haus sind oder schlafen…
  • Manipulation: „Wenn du brav bist, darfst du auch mal was naschen oder eine Sendung schauen.“ Man muss sich im Leben ja alles verdienen…

Lauter Glaubenssätze also und das, was wir bei unerzogen unter Erziehung und Machtmissbrauch verstehen…

Was wir über Sucht zu glauben wissen

Wir alle sind in dem Wissen aufgewachsen, dass Drogen süchtig machen. Bei Kokain, Heroin oder auch Zucker ist der Grund schnell ausfindig gemacht. Der Übeltäter nennt sich Chemie. Klare Sache. Der Schuldige ist gestellt, wir brauchen uns nicht weiter über Verantwortung und Verantwortlichkeit zu unterhalten. Es war ja die Droge.

Bei Medien wird es ein wenig schwieriger. Da werden die schädlichen Auswirkungen mit der Schnelligkeit der Bilder bei den ganz Kleinen argumentiert und bei den größeren Kindern mit den, in den Augen der Eltern, oft nicht adäquaten Inhalten oder der Ablenkung von den wirklich wichtigen Dingen. Ständig hört man, dass durch den Konsum von Fernsehen & Co. sich das Gehirn verändert. Dass das Gehirn ein plastisches Organ ist, welches sich durch jegliche Erfahrung verändert, wird dabei in der Regel außer Acht gelassen.

Viele Menschen beurteilen außerdem eine intensive Beschäftigung und Auseinandersetzung mit Medien per se negativ. Ein Kind, dass sich mehrere Filme hintereinander anschaut und dabei auch noch vertieft und konzentriert wirkt, kann ja nur süchtig und durch das Gerät verblödet sein. Bilder dazu kursieren ja immer wieder gerne durchs Internet…

Wie entsteht aber Sucht und ist unsere Angst berechtigt?

Unsere anerzogenen und gesellschaftlich geprägten Glaubenssätze sagen uns also, dass Sucht durch ein Suchtmittel entsteht. Das macht, wie so oft bei Glaubenssätze, die Sache sehr leicht: Schuld ist das Mittel. Das Suchtmittel. Dieses gilt es zu vermeiden und zu bekämpfen. Dann ist alles in bester Ordnung. Dann sind unsere Kinder geschützt und das ist ja schließlich unsere Aufgabe als Eltern: unsere Kinder schützen. Egal wie.

Wer wird aber nun wirklich süchtig? Die Antwort ist an sich sehr einfach und naheliegend. Wahrscheinlich habt ihr es bereits gewusst oder wenigstens geahnt: Sucht entsteht überall da, wo Menschen etwas kompensieren müssen, wo ihnen etwas fehlt. Und zwar fehlt es ihnen an Beziehung. An Mensch sein, an gesehen werden.

Es gibt zu dem Thema ein sehr spannendes Experiment des kanadischen Professors Bruce Alexander aus dem Jahre 1970:

Unser vermeintliches Wissen darüber, dass das Suchtmittel der Übeltäter ist, kommt aus Laboruntersuchungen mit Ratten. Dabei wurden Ratten einzeln in Käfigen eingesperrt und ihnen wurde zweierlei Wasser zum Trinken angeboten. Eines davon angereichert mit Drogen. Es stellte sich heraus, dass die Ratten bereits nach kurzer Zeit nur noch das präparierte Wasser zu sich nahmen. Daraus ergab sich das Erkenntnis, dass bestimmte Mittel binnen kurzer Zeit süchtig machen.

Was wurde aber dabei außer Acht gelassen? Diese Ratten waren alleine. Sie waren einsam. Die Studie gab dem Kontext der Laborratten während der Untersuchung keinerlei Relevanz.

Professor Bruce Alexander sah das anders: Der gleiche Versuch wurde später noch einmal durchgeführt. Diesmal waren die Ratten aber nicht allein und in einem kleinen Käfig eingesperrt. Ihnen wurde ein Zuhause gebaut, das ihre natürlichen Bedürfnisse erfüllte und sie waren in einer Gemeinschaft. Diesmal war das Ergebnis deutlich anders und die Ratten entschieden sich für das reine Wasser. In einem gesunden Umfeld und in Gesellschaft von Artgenossen konnte ihnen die Droge nichts anhaben.

Beziehung ist der beste Schutz gegen Sucht

Wenn wir dieser Argumentation folgen, sind Verbote, Fremdbestimmung und Machtmissbrauch unter dem Deckmantel des Schutzes unserer Kinder keine Prävention. Sie sind hingegen genau das, was uns in die Sucht treibt: Sie zerstören die Beziehung zu unseren Kindern.

Die Fragen, die wir uns also stellen müssen, lauten:

  • Muss mein Kind etwas kompensieren?
  • Bin ich präsent und achtsam?
  • Bin ich in Beziehung zu meinem Kind?
  • Bin ich in meiner Verantwortung für unsere Beziehung zueinander?
  • Begegne ich meinem Kind mit Respekt?
  • Und gebe ich meinem Kind die Möglichkeit seine Welt in einer geschützten Umgebung zu entdecken?
  • Gebe ich meinem Kind Zugang zu Alternativen, die es selbstbestimmt wählen kann?
  • Bin ich da, wenn es Fragen hat?
  • Und kann es angstfrei seine Wünsche äußern und Interessen ausleben?

Wenn wir diese Fragen mit ja beantworten können, dann glaube ich aus tiefstem Herzen, dass wir unseren Kindern einfach vertrauen können. Dann brauchen wir keine Erziehung und keine künstlich geschaffene Welt. Dann brauchen wir unsere Kinder nicht zu manipulieren, belügen und über sie zu bestimmen. Dann dürfen wir vertrauen. In unsere Kinder und in unsere Beziehung zu ihnen.

Wenn wir aber denken, dass unsere Beziehung ungesund ist, unsere Kinder sich fremdbestimmt, nicht angenommen oder verwahrlost fühlen, dann sage ich: Lasst uns an uns selbst arbeiten und in Beziehung gehen. Lasst uns uns selbst fragen, was wir brauchen um zu vertrauen.

Unseren Kindern ihre Kompensation wegzunehmen, kann nicht die Lösung sein. Lasst uns ihnen zeigen, dass sie nichts zu kompensieren brauchen, weil wir da sind. Weil sie geliebt und angenommen werden. Das gilt nicht nur für TV oder tablet. Das gilt nicht nur für Süßigkeiten oder Spielzeuge („Spielzeugfreie Zeit“). Dies gilt auch für Bücher, „schädliche“ Beziehungen sowie allen anderen Dingen, mit denen Menschen etwas kompensieren können…

Leidenschaft oder Sucht?

Wir scheinen außerdem immer wieder zwei Dinge zu verwechseln: Leidenschaft und Sucht. Wenn dein Kind oft und ausgiebig am PC spielt oder fernsieht, dann kann es sein, dass es schlicht Spaß hat. Es lernt dabei viele neue Dinge. Sowie andere Kinder oder auch das selbe Kind mit viel Spaß und Leidenschaft malt oder Fußball spielt. Und manchmal ist es auch nur eine Phase, die ausgelebt werden will…

Vielleicht geht es auch dir so, dass du bestimmte Dinge gerne und sogar exzessiv tust. Fitnessstudio, Yoga, mit der Freundin telefonieren, lesen oder womöglich bei Facebook abhängen. Wir neigen dazu, Dinge, die uns Spaß machen zu verteufeln. Wenn wir etwas ausdauernd und wiederholend tun, werden gleich die ersten Stimme laut, dass man die Dinge in Balance halten muss und dass viel von etwas per se ein zu viel davon ist. Seltsamerweise gilt diese Regel im Beruf nicht. Monotonie und Spezialisierung prägen hier das Bild.

Es ist ein Bedürfnis des Menschen sich zu unterhalten und zu entspannen und all diese Dinge – Bildschirmkonsum, Sport, Lesen oder telefonieren –   können tolle Strategien dafür sein. Sie können und dürfen gleichberechtigt nebeneinander stehen. – Bücher und Fernsehen. Sport und Internet. 

Und vielleicht bist auch du so ein oder eine GeniesserIn und magst manchmal einfach ein wenig naschen oder des Geschmackes wegen etwas essen. Das Leben darf auch einfach mal genossen werden. Einfach so. Weil man ist.

Menschen werden nicht aufgrund eines Mittels süchtig. Menschen werden süchtig, weil sie einsam sind. Innerlich. Weil ihnen keine Menschlichkeit begegnet. Weil Bedürfnisse nicht gestillt werden. Weil Beziehung fehlt.

Geh in Beziehung zu deinem Kind! Das ist der beste Schutz gegen Sucht!

Aida S. de Rodriguez

Mehr über die Autorin und ihre Arbeit sowie weitere Texte von ihr findet ihr hier und auf ihrer Seite elternmorphose.de

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24 Gedanken zu “Machen Fernsehen und Süßigkeiten Kinder süchtig? – So kannst du es verhindern

  1. Hallo!
    Ich finde den Artikel sehr interessant und stimme Vielem zu. Aber, was wenn ein Kleinkind Karies hat? Dann sehe in keine andere Möglichkeit als Zuckerhaltiges zu verbannen, oder?
    Ich bin prinzipiell nicht für das Vorenthalten von Süßem oder dem Fernsehen, aber der Fernseher sollte auch nicht dauernd laufen (Vorbildwirkung und so)..
    Liebe Grüße,
    Gertraud

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  2. Liebe Gertraud,

    vielen Dank für Dein Kommentar! 🙂

    Ich bin nicht der Meinung, dass die natürliche Konsequenz auf Karies die Verbannung von Zuckerhaltigem ist. Es ist eine Möglichkeit damit umzugehen, aber eine in meinen Augen ziemlich radikale. Es gibt sicherlich viele gute Gründe auf Zucker zu verzichten, aber das wäre für mich nicht per se einer davon.
    Die erste Frage wäre für mich: Wie gehst du bei Dir mit Karies um? Oder was wäre Deine Empfehlung an einer Freundin, wenn sie Dir erzählt, dass sie Karies hat?

    Meine persönliche Reaktion wäre ein Besuch beim Zahnarzt, um a) festzustellen wie groß der Schaden tatsächlich ist und b) den Grund für den Zahnschaden zu beleuchten. Einen Bedürfnis orientierten Zahnarzt, wohl bemerkt… 😉
    Danach würde ich schauen, je nach Ergebnis und vorhandenen Möglichkeiten, was wir gemeinsam tun können. Eine Ernährungsumstellung könnte dann eine Option sein. Muss es aber nicht.

    Ja, Vorbildfunktion ist immer so eine Sache und ich habe meine Schwierigkeit mit Grundsätzen. In anderen Kulturkreisen gehört der laufende Fernseher im Hintergrund zum guten Ton. Man trifft sich gerne Abends zur Telenovela.
    Es ist also immer eine Frage der Perspektive, was „man“ im Leben „sollte“ oder nicht. Und manchmal ist es eben sogar Beziehungsfördernd…

    Ich persönlich glaube also nicht per se, dass die Dauerschleife im Hintergrund schadet. Viele Familien haben zB das Radio immer leise laufen. Gibt es da ein Unterschied?
    Wenn ich aber als Mutter oder Vater nichts anderes tue als fokussiert ein Buch zu lesen, bei Facebook zu schreiben oder Tag und Nacht zu arbeiten, und damit die Versorgung und Auseinandersetzung mit meinen Kindern vernachlässige oder gar gänzlich negiere, ja dann glaube ich, dass es schadet. Weil ich in der Verantwortung bin. Und de Facto nicht anwesend.

    Liebe Grüße zurück

    Aida

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  3. Hallo, ein interessanter Bericht. Ich sehe das auch nicht so kritisch, wir haben 3 Kinder und jeder hat ein Naschkörbchen das in der Speiß/Vorratsraum steht, hier werden die Naschsachen die sie bekommen oder die ich kaufe reingegeben und nach dem Mittagessen dürfen sie sich sowieso etwas nehmen, wenn zwischendurch mal Lust auf was Süßes/Saures da ist dann können sie sich auch was nehmen, sie fragen mich aber IMMER. Ich denke nicht das es richtig ist es ihnen vorzuenthalten, dann wird das verlangen sehr groß und die Kinder naschen dann ev. heimlich, wenn ich Lust auf was Süßes habe dann hole ich es mir ja auch 🙂

    Zum Thema TV, der Große(11) hat einen in seinem Zimmer stehen, in der Regel schaut er nicht so viel fern, ich schaue dann nur ab und an mal rein WAS er sich anschaut den so brutale Sachen habe ich nicht so gerne wenn er sich ansieht oder so Dokus von Krieg etc. Auch die Kleinen dürfen TV schauen, aber auch bei ihnen ist es wenig, ich denke es ist nicht so interessant weil sie es ja dürfen. Alle drei fragen hier auch immer ob sie dürfen, das machen sie von ganz alleine und das freut mich sehr 🙂

    LG Claudia

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  4. Danke für diesen großartigen Artikel Aida!
    Die Sorge um die Sucht nach Zucker/Medien treibt auch mich als Elternteil ständig um, obwohl ich eigentlich (eigentlich…) das Vertrauen in mein Kind, seine Selbstregulation und unsere Beziehung habe.
    Besonders das Ratten-Experiement finde ich zu diesem Thema nochmal sehr aufschlußreich!

    Herzliche Grüße aus dem Apfelgarten
    Lena

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    1. Liebe Lena,

      vielen Dank für Dein Feedback und das Teilen des Artikels! Es freut mich sehr, wenn es gefällt und anregt!

      Weiterhin viel Erfolg mit Deinen wunderbaren Blog!

      Viele Grüße

      Aida

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  5. Liebe Aida,
    in vielem stimme ich Dir zu. Einsamkeit begünstigt Sucht bzw auffälliges Verhalten.
    Wir haben aktuell den von Dir beschriebenen Zustand: unsere Tochter (3 1/2, sehr wortgewandt und auch klug) liebt Süßigkeiten. Jedes Kind liebt Süßigkeiten, denkt jetzt der allgemeine Leser. Aber dem ist nicht so. Sie legt schon einen sehr großen Fokus auf Nahrungsmittel und den Vorgang des Essens.
    Als es zu Weihnachten überall Kekse und weiteres Naschzeug gab, kreisten ihre Gedanken um nichts anderes mehr. Sie schlug morgens die Augen auf und fragte als erstes nach Süßigkeiten.
    Jeden Samstag kommt der Uropa mit seiner Frau und bringt eine Kleinigkeit mit. Darauf freut sie sich die ganze Woche. Auch auf den zweiwöchentlichen Besuch der Uroma freut sie sich sehr, denn die bringt ja etwas mit. Fahren wir zu meinen Eltern, spricht sie nur davon, dass sie dort Süßigkeiten bekommt.
    Sie weiß genau wo und wann sie etwas bekommt.
    Auch bei uns darf sie ein Mal am Tag eine Kleinigkeit haben. Hätten wir diese Regelung nicht, würde sie den ganzen Tag nach Süßigkeiten fragen, egal wie sehr wir sie „ablenken“.
    Sie ist auch nicht zufrieden, wenn sie weiß, dass mehr da ist. Dann will sie immer mehr und mehr und mehr.
    Dabei ist es nicht so, dass ich mir Deinen Artikel zu Herzen nehmen müsste. Sie ist kein einsamer kleiner Mensch. Wir wohnen mit Oma und Opa, beide sind Zuhause. Ich bin auch Zuhause. Vormittags geht sie (sehr gerne!) in die KiTa, am Nachmittag hat sie zwei Personen, an die sie sich immer wenden kann. Wir spielen mit ihr und binden sie in unseren Alltag ein.
    Ich habe sie sehr lange gestillt und wir schlafen im Familienbett.
    Ich besuche mit ihr zusammen Freunde, sie bekommt auch Besuch. Ein mal in der Woche geht sie mit Oma zum Turnen.
    Es ist einfach eine Tatsache, dass sie gerne isst. Man sieht es ihr an. Wie du schon schriebst, es ist eine Leidenschaft. Es gibt weniges, dass sie nicht mag.
    Dennoch muss ich ihr Süßigkeiten zuteilen. Ich tue das nicht, um (vordergründig) Macht auszuüben. Ich würde es ihr gerne gönnen. Nur befürchte ich, dass sie nichts anderes mehr äße und ein kleines Pummelchen wird. Ich selber bin auch nicht schlank und habe erst spät gelernt, mit Nahrungsmitteln vernünftig umzugehen. Ich würde es ihr gerne schon jetzt beibringen, damit ich ihr nichts zuteilen muss. Denn dieser Umstand stößt mir sauer auf. Doch wie soll ich einem Kind in dem Alter und mit dieser Leidenschaft den richtigen Umgang mit Süßkram nahe bringen?
    Bevor diese Vorschläge auftauchen: sie darf im Grunde essen, was sie möchte. Wenn sie wochenlang nur Marmelade auf das KiTa-Brot möchte, ist das kein Problem für mich. Ich biete ihr stets erst mal Alternativen, wenn sie mich nach Süßigkeiten fragt (Obst, Joghurt pur/ mit Müsli oder auch etwas zu trinken). Sie bekommt auch etwas zu essen, wenn sie Hunger äußert. Wenn sie satt ist, muss sie (in den meisten Fällen) nicht aufessen.
    Auch alles ganz gesundes Verhalten meinerseits, finde ich.
    Nur diese Süßigkeitenliebe … Zu der weiß ich keinen besseren Rat.

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    1. Kennst du das nicht? Du willst unbedingt Toffifee und bekommst keins, der Wunsch bleibt ewig da, vorallem wenn du welches siehst. Dann kaufst du dir ne riesige Packung, futterst alles auf einmal auf und dann ist erstmal ne Weile Ruhe. Zumindest geht es mir so. Lass sie doch mal nur Süßigkeiten essen. Man wird nicht von heute auf morgen dick. Obst, Brot und Marmelade haben auch gut Kohlenhydrate=Zucker, das ist also nicht wirklich besser, rein von der Wirkung der Kohlehydrate her!

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      1. Es ist schön das es bei dir so funktioniert, bei mir nicht. Und deshalb von sich auf andere zu schließen wird nicht allen gerecht!
        Ich kann dann eine Packung toffifee essen und danach dann noch eine. Ich brauche dann auch nichts anderes. Kann nur von Süßigkeiten leben. Mit gesunder Ernährung hat das nichts zu tun. Ich weiß das. Verzichte deshalb regelmäßig komplett auf Zucker, da dies für mich einfacher ist. Sobald ich mir wieder etwas „gönne“ geht der Kreislauf von vorne los. Typisch Sucht! Möchte ich mein Kind davor bewahren? Ja!!!
        Zucker (Saccharose, Fruktose, Glukose etc) ist ungesund und nicht lebensnotwendig. Nur weil Saccharose und co Kohlenhydrate sind, sind nicht alle Kohlenhydrate Zucker in dem Sinne und gleich ungesund. Das ist sehr einfach gedacht!
        Trinkt ihr Kaffee? Wein? Raucht ihr vielleicht? Dürfen das eure Kinder? Wo ist der Unterschied für euch?

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    2. Hallo liebe Lisa,

      ich bin mir nicht sicher, Dir mit meiner Antwort hier voll umfänglich gerecht werden zu können, daher möchte ich damit beginnen Dich in die unerzogen Gruppe auf Facebook einzuladen. Ich denke, Du könntest von der Schwarmintelligenz und der vorhandenen Fachexpertise dort sehr profitieren und wir könnten gemeinsam versuchen Deine Situation genauer zu beleuchten.

      Ich lese in Deinen Zeilen, dass Dich das Thema sehr beschäftigt und dass es etwas ist, was bei Euch viel Raum einnimmt und hat. Mir ist auch noch nicht ganz klar, was Du alles unter Süßigkeiten zählst. Auch Marmelade gehört z.B. in meinen Augen dazu.

      Was ich auch lese sind viele Hypothesen darüber, was wäre wenn.. Also viele Ängste, Befürchtungen und Sorgen. Vielleicht geht es auch um persönliche Erfahrungen und Übertragung? Ihr scheint bereits in so eine Art Spirale zwischen Regulation und Begierde zu sein.

      Vielleicht lesen wir uns bald in der Gruppe weiter?

      Alles Liebe

      Aida

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  6. Liebe Steffi,

    auch Dir vielen Dank für Dein Kommentar. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dieser an mich oder Cara gerichtet ist, aber ich wage mich an einer Antwort.

    Ich kenne keinen „süchtigen“ Menschen, der nur vom sogenannten „Suchtmittel“ leben kann. Daher wundert mich Deine Aussage bzw. Dein Verständnis von „typisch Sucht“ ein wenig. Womöglich habe ich Dich aber auch missverstanden?

    Aber ich kenne das Phänomen, dass wenn Menschen, die etwas kompensieren und das Kompensationsmittel durch etwas anderes ersetzen, aber sich nicht mit den Ursachen auseinandersetzen, leicht wieder in alte Muster fallen. Die Leere wird einfach mit etwas anderes gestopft bis es das Loch nicht mehr ausfühlt…

    Und ja, ich würde auch unbedingt zwischen einem emotional gesunden Menschen und einen nicht (mehr) gesunden Menschen unterscheiden wollen. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen ihre Regulierungsfähigkeit verlieren können oder gar nicht erst in die Lage kommen diese reifen zu lassen. Wenn Eltern zB ihren Kindern jegliche Kompetenz absprechen oder sich die Kinder nicht angenommen und geliebt fühlen.

    Gerade deshalb finde ich Erziehung in dem Kontext so gefährlich und eine beziehungs- und bedürfnisorientierte Begleitung von Kindern so wichtig.

    Begleitet Eure Kinder. Reguliert sie nicht.

    Alles Gute

    Aida

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  7. Hallo!
    Ich stimme dir in Vielem zu. Doch lasse ich mich schon lange nicht mehr von unserer -Gewinnmaximierung um jeden Preis-agierenden Lebensmittelindustrie verarschen. Weißer Zucker ist nunmal billig, macht krank und süchtig. Und das möchte ich mir und meinen Kindern ersparen. Ich mache selber Schokolade-gesunde mit anderen süssungsmitteln und biologischen nachhaltigen Zutaten. Genauso wie alles andere was wir hier essen. Konventioneller Zucker wird aufgrund der riessen zuckerlobby hierzulande extrem verharmlost. Nicht mit mir und schon gar nicht mit meinen Kindern! Soviel wie möglich selber machen-sowenig wie möglich verarbeitete Produkte. Regional-biologisch-nachhaltig. Viele Grüße:-)

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  8. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich den Konsum auch begrenze, aber nicht aus Angst vor der Sucht sondern aus Selbstschutz! Die Kinder verändern sich durch Zucker und TV Konsum, sind extrem aufgekratzt, und es kommt immer zum Streit. Dafür habe ich nur dosiert Kraft! Was macht ihr denn in diesem Fall?

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  9. Liebe Aida,

    hab Dank für diesen Artikel. Das Lesen desselbigen, erfreute mich, vielleicht vor allem, weil ich die meisten der dargstellten Gedanken teile.
    Eine Frage stellt sich mir und ich versuche sie zu formulieren:
    Der These, dass Beziehung und/oder Verbundensein, (also die Abewesenheit von Einsamkeit?) der ‚beste Schutz‘ vor Sucht und/oder als Kompensation wirksam werdender ‚Missbrauch‘ ist, stimme ich zu. Und dann frage ich mich (selbstkritisch) warum, also auf Grund welche Annahmen denke ich das. Und an der Stelle komme ich gedanklich in eine Sackgasse, weil ich außer „gemachter Erfahrungen“ keine Argumente mehr finde. Ist dann diese These eher ein Glaubensatz? Oder eine Entscheidung?
    Mich interessiert deine Meinung und gerne auch die anderer Mitlesender dazu.

    Herzlichst.

    Dana

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  10. aber was mache ich denn, wenn das kind ( fast 3 jahre alt) nur die schokokekse und honigwaffeln essen will, sich kaum die zähne putzt, sich dabei auch nicht helfen lassen will und total satt ist dass es nichts anderes mehr isst ausser der besagten kekse? das ging bei uns echt sehr lange ohne selbstregulation, sodass dann auch noch verdauungsveschwerden dazu kamen. wir haben jetzt aus dem grund nichts süßen mehr im haus.
    was tun?
    liebe grüße!

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  11. „In manchen Haushalten wird gänzlich auf bestimmte Geräte verzichtet“
    Sind also die Erwartungen an Eltern, in jedem Haushalt, PCs mit maximaler Auswahl an Spielen, Laptops, Tablets, TV (mit ALLEN verfügbaren Programmen), verschiedene Spielkonsolen und natürlich ein Smartphone für jeden zur Verfügung zu stellen? Andernfalls sind die Eltern gemein weil sie den Kindern etwas vorenthalten?
    Oder wie soll das gemeint sein?

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  12. Nichts Süßes im Haus haben, zählt schon als Fremdregulation????
    Ernsthaft???
    Für viele Erwachsene ist das doch genau die Methode, mit der sie selbst die Regulation schaffen. Im Supermarkt streng (zu sich selbst) sein, dann kann man zu Hause entspannen, weil das Suchtmittel nicht mehr lockt.
    Und bei kleinen Kindern ist die Selbstregulation einfach noch nicht so gut ausgebildet, da kann man die Kinder doch nicht hilflos sich selbst überlassen. Regulieren heißt ja nicht verbieten.
    In meinen Augen bedeutet das regulieren von Süßkram und Medien, dass ich meinem Kind zeige, wie ich selbst mit diesen Verführungen umgehe. Anders kann ich doch nicht zeigen, dass ich mich selbst auch regulieren muss, um nicht kugelrund zu werden. Ok, manchmal stehe ich tatsächlich auch vor dem Süßigkeitenregal und seufze, weil ich will und weiß, dass es nicht gut ist. Aber, ohne theatralisch und damit unglaubwürdig zu sein, kann das nicht oft vorkommen. (Je besser die Selbstregulierung beim Erwachsenen funktioniert, desto unglaubwürdiger wird ein solches Aufseufzen.)
    Und übrigens, es gibt erwiesenermaßen auch Suchtmittel, die bereits beim ersten Konsum körperlich abhängig machen. Und es gibt auch Beweise dafür, dass eine einmal erlittene Sucht auch in Zukunft anfälliger für Süchte macht. Auf rein körperlicher Ebene. Da helfen die besten Beziehungen nichts. Dass Süßigkeiten und Fernsehen da dazugehören, glaube ich allerdings auch nicht.

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  13. Ich finde es schön, die Beziehungsebene in den Vordergrund zu stellen. Aber (raffinierten) Zucker als harmlos so darzustellen hate ich wiederum für keine gute Idee. Und auch der Medienkonsum hat nun mal negative Effekte – nicht nur weil das sedentary behaviour von Kindern international zu hoch ist, auch hat es bei sehr kleinen Kinder Auswirkungen auf ihre 3-dimensionalen Wahrnehmungen. Über die negativen Effekte von Zucker will ich hier gar nicht schreiben, das würde den Rahmen sprengen. Und dass es da auch eine physisiche Abhängigkeit gibt steht auch außer Frage. Stellt sie also die Frage, ob wir wirklich als Eltern wollen, dass unsere Kinder so sehr daran gewöhnt werden, dass ihnen später die Entwöhnung schwer fällt, falls sie einen gesunden Lebensstil leben wollen.

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  14. Hallo ihr bewundernswerten Frauen ( oder gibt es hier auch Männer?),

    ja das Thema mit den Medien (Computer) ist hier im Moment gerade schmerzhaft… Mein Kind (13) hält den Computer glaube ich für das wichtigste in seinem Leben. Jedoch meldet er mir auch immer mal wieder zurück, dass er irgendwie traurig ist und nicht weiß woher das kommt….

    Ich glaube ihm fehlt Beziehung – er ist streckenweise sehr verschlossen und ich bin streckenweise recht unaufmerksam.

    Ich habe eure Liste gelesen, was es braucht um süchtiges Verhalten zu verhindern.

    Wie kann ich (oft genug) präsent und achtsam sein? Ich habe mich (wohl zu) bequem eingerichtet mit seinem Computerkonsum

    Wie kann ich in Beziehung gehen und auch bleiben? (Er will mich nicht wirklich teilhaben lassen und ich finde seine Spiele nicht wirklich spannend)

    Bin ich respektvoll, auch wenn ich eigentlich überhaupt nicht unerzogen bin?

    Mangels finanzieller Ressourcen und recht ländlicher Umgebung kann ich auch wenig Alternativen bieten, die mein Kind reizvoll findet.

    Was nun?

    Was würdet ihr in meinem Fall tun oder wie würdet ihr etwas tun? Wie kann ich mein Kind loseisen?

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