Gastbeitrag von Nanette Mittelstädt: Geht unerzogen auch mit mehr als 3 Kindern?

_31048_1452695325776_7414299_nNanette Mittelstädt ist Mutter von 7, bald 8 Kindern. Sie lebt im Norden der Republik und ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der unerzogen-Community. Hier antwortet sie auf die Frage einer Frau, ob unerzogen auch mit mehr als drei Kindern geht. 

Unerzogen ist die Abwesenheit von Erziehung, da ist die Anzahl der Personen erstmal nachrangig. Ich persönlich würde es anstrengend(er) finden für alle Altersgruppen (fast 19, 15, 13, 10, fast 8, 6 und 3) Regeln, Gesetze, Grenzen, Sanktionen etc aufzusetzen. Die verschiedenen Altersstufen haben natürlich auch verschiedene Bedürfnisse…

Es versteht sich von selbst, dass die Jüngsten am wenigsten warten können. Wenn der Jüngste gestillt werden wollte, dann war der/die Nächstgrössere ca. 2 Jahre und wollte natürlich auch noch gerne kuscheln, da ich aber 2 Arme habe, war das nie ein Problem. Manchmal lag ich auch im Bett mit Zweien im Arm, einen auf und einem im Bauch 😀

Ich habe oft vorgelesen oder wir haben zusammen gemalt oder auch mal einen Film gesehen, die Größeren suchen sich die Lücken, wenn die Kleinen spielen oder schlafen um ihre Sorgen zu teilen. Sie wissen dass ich jederzeit für sie da bin, das kann Herausforderung bedeuten, wenn frau gewöhnt ist, viel Zeit für sich zu haben oder viel zu schlafen.  Herausforderung war es für mich immer die Bedürfnisse der Babys mit dem Schulzwang in Einklang zu bringen, besonders der Jüngste hat autofahren als Baby gehasst und hat viel geweint und die Fahrten haben sich noch mehr hingezogen, weil ich oft anhalten musste. Aber ich glaube genau so lernen Menschen Empathie, erleben dass andere auch Bedürfnisse haben und es sich nicht ausschließlich um sie dreht, weil jemand anderes gerade ein dringenderes Bedürfnis hat, das meine ich nicht im erzieherischen Sinne, wie es gerne missbraucht wird, um zu rechtfertigen dass das Kind zb im eigenen Bett zu schlafen hat. Es ist das Leben (oder Mama) mit seinen „natürlichen “ Grenzen, ohne das sich jemand vernachlässigt fühlen muss, denn alle wissen, jeder von ihnen war als Baby 24 Stunden an Mamas Körper, wurde nach seinem Bedarf gestillt (auch wenn das mitten im Supermarkt war 😀) und es wird zugehört (!!!), nichts beschönigt oder klein gemacht. Man kann es auch Achtsamkeit nennen. Natürlich wäre es vermessen zu behaupten alles wäre immer perfekt, aber es ist in Ordnung! Natürlich ist es hier inzwischen auch schon so, dass die Kleinen zu den großen Brüdern gehen und gerade in der Schule, dort „Schutz“ suchen. Dafür können die coolen Teenager sich auch mal fallen lassen, einfach spielen und kuscheln, besonders der Körperkontakt, den ja eigentlich jeder Mensch braucht, fehlt den 11 -15 jährigen oft, wenn noch keine Freundin/Freund da ist. Mit den Eltern ist es gerade uncool, auch wenn sie sich freuen, wenn man unauffällig den Rücken streichelt , aber mit den kleinen Geschwistern ist das toll und die lieben die großen Brüder abgöttisch.

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4 Gedanken zu “Gastbeitrag von Nanette Mittelstädt: Geht unerzogen auch mit mehr als 3 Kindern?

  1. schöner einblick in euren alltag. das problem mit dem autofahren hatten wir auch bei jedem kind, danke, dass du darauf auch eingegangen bist.
    bei uns gibts regeln, die aber nicht kindspezifisch sind, sondern sie gelten für alle (ich mag es z.b. nicht, wenn man auf der couch rumspringt).
    die kinder durften sich immer aussuchen, wo sie schlafen (die schlafarrangements variieren hier monatlich :-)). gestillt habe ich jedes kind 2 jahre lang und auch sonst versucht, die bedürfnisse gerade in den ersten beiden jahren zu befriedigen (tragen usw.).
    bei uns ist es allerdings so, dass mein mann eine große rolle hat – weiß nicht, wie das bei euch ist. so 2 kinder in den armen und 1 auf dem bauch und 1 im bauch engt mich ein, mein mann übernimmt (zumindest abends und am wochenende) meist ein paar kinder zum kuscheln, lesen, waldgehen, schlafen usw.
    ich finde es schön, dass die kinder sich, je mehr sie sind, auch gegenseitig so viel geben an trost, kuscheleinheiten und nähe. es gibt aber auch tage hier, da schlagen sie sich die köpfe ein und dann gibts auch schon mal ein ernstes wort, wenn es mir zu sehr auf die nerven geht. wie gehst du damit um? rausschicken ist immer gut, aber es löst die streitereien, das rumgeschreie auch nicht immer. und je mehr es werden, umso lauter werden diese situationen natürlich auch.
    lg eileen 🙂

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  2. Liebe Nanette, ein schöner Artikel, klingt ein bisschen wie bei uns, nur dass wir die Schulfahrten dadurch umgehen, dass wir ins Ausland gezogen sind…Was mir am meisten gefallen hat, ist die Passage über die großen Brüder…auch bei uns ist es so, dass sie ihre kleinen Geschwister herzen und knuddeln und diese wiederum lieben ihre großen Brüder soooooooooo Alles Liebe Euch nach Mecklenburg

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