Gastbeitrag von Natascha Makoschey: Wie bekomm ich die Verantwortung für mein Leben zurück?

img_3565Natascha Makoschey antwortet hier auf eine Frau, die in einer Beziehungskrise mit ihrem Partner steckt und nicht mehr „vor und zurück“ weiß.

Du glaubst, dass du ohne ihn nicht leben kannst, willst ihn aber im Fall einer Trennung nicht mehr sehen? Fällt dir auf, wie paradox das ist?

Glaubst du, dass du liebenswert bist?

Es geht hier gar nicht um ihn, sondern darum, dass er dich nicht mehr in einer Weise bestätigt, wie du das brauchst. Du glaubst selbst nicht, dass man dich, so wie du bist, lieben kann, und deshalb ist es natürlich nötig, dass dein Mann es tut. Tut er es nicht, bist du mit deinen tiefsten Versagensängsten und Minderwertigkeitskomplexen konfrontiert. Das Beziehungssystem funktioniert nicht, wenn er überlegt, ob es das ist, was er für ein Leben möchte. ER muss sich sicher sein. Du bist wütend auf ihn, obwohl du ihn eigentlich verstehen kannst, denn du selbst hättest dich schon längst verlassen (aber leider geht das ja nicht).

Sich aufgeben um eins zu werden oder ganz sich selbst sein?

In unserer Gesellschaft werden wir mit Phantasien über siamesische Beziehungszwillinge vollgespamt, die eins werden. Um eins zu werden und zu bleiben, muss sich jedoch einer von beiden (meinetwegen auch abwechselnd) aufgeben, da er sonst aus der Verschmelzung austritt und das System ins Wanken gerät. Letztendlich geht es aber in einer Beziehung darum, ganz man selbst zu sein, als Individuen, die sich als solche begreifen, ganz nahe zu sein. Dafür müssen aber beide fest auf ihren eigenen Füßen stehen und Verantwortung für sich selbst übernehmen.
Ihr habt dieses beide dem anderen abgegeben. Du bist in den Augen deines Mannes für sein Wohlergehen verantwortlich, in dem du sein System aus noch nicht aufgelösten Verschmelzungen zu seiner Familie nicht durcheinanderbringst; Schein-Harmonie hältst, die ihm erlaubt, sich vor seinen Lebensaufgaben wegzuducken. Ebenso hast du ihm die Hoheit darüber gelassen, wie du dich selbst fühlst, weil das, was er für dich zeitweilig empfunden hat, bessere Gedanken waren, als du jemals über dich gedacht hast. Und es hat sich so GUT angefühlt und nun nimmt er dir das wieder weg, das Bild von der liebenswerten Frau.

Also, wenn er das nicht so sieht, dann bist du es doch auch nicht, oder etwa doch? Leider kann ich dir nicht sagen, wie es geht, dass sich das ändert. Ich kann dir nur von mir sagen, dass es nicht im eigentlichen Sinne schwer war, als ich dazu bereit war, als ich ein anderes Sein begehren konnte.

Ich lese Dinge und ich WILL dahin!
Und in vielen Schleifen in den letzten Monaten habe ich das lernen dürfen, z. B. dass auch Hass und Verachtung zur reinen Liebe gehören und sich das nicht widerspricht. Dass ich auch in einer Partnerschaft wirklich alleine glücklich sein kann und nicht all mein Sein auf das Paarsein ausrichten muss (damit bin ich aber noch nicht durch, denn die Gedanken kommen gewohnheitsmäßig und sind machtvoll, aber sie sind nur eine Brille, durch die ich Beziehung zu sehen gewohnt bin).

In der Partnerschaft alleine glücklich

Mein Freund, der sich nach wie vor weigert, mich seine Freundin zu nennen, ist mir so unfassbar wert. Dies ist mittlerweile unabhängig von dem, was er mir gibt. Um noch einen Schritt weiterzugehen: Dadurch, dass er nicht bereit war, zu geben (was ich meinte zu glauben, nämlich SEINE Bestätigung), weil seine Ängste vor wirklicher Nähe so groß sind, dass sie ihn auffressen, habe ich von ihm das Geschenk erhalten, mich mit mir selbst auseinandersetzen zu MÜSSEN, denn sonst wäre es unmöglich gewesen, den respektvollen Ton unserer Beziehung aufrechtzuerhalten und ich hätte von ihm die Dinge gefordert, die mich glücklich machen.

Wenn ich frei bin und freilasse, kann ich mich positionieren und dem anderen dann die Gelegenheit geben, zu entscheiden, ob er diese Entwicklungsaufgabe auch annehmen möchte. Es ist in Ordnung, wenn er es nicht tut – er darf über sich entscheiden wie du über dich. Hat man die Verschmelzung hinter sich gelassen, empfindet man Trauer, aber keine Wut mehr auf den anderen. Man kann ihn UND sich stehen lassen und sich dennoch in Liebe und Respekt begegnen. Das ist die mächtigste Form des ‚Undens‘ überhaupt.

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