Ich bin eine blöde Scheißkackmama!

Warum wir alle heimliche blöde Scheißkackmamas sind…

PicsArt_04-04-11.24.43„Oh je…“, denk ich manchmal und muss kurz durchatmen.
Da habe ich mal wieder Zeugs in die unerzogen-Gruppe geschrieben und es bekommt Zustimmung. Likes. Manchmal auch viele. Zeug, das ganz toll erklärt, wie du unerzogen und gewaltfrei den Konflikt XY ganz toll erledigt bekommen könntest.
Ist der Rechner dann aus und ich back im Real Life, denke ich an das „Oh je…“ und: „Wenn die, die das liken, mal einen Tag in unserem Familienleben Mäuschen spielen würden… Sie würden ‚Lug und Trug!‘ rufend davon galoppieren.“
Warum?

Weil ich allzu oft hier nicht diesen Sonnenschein hin bekomme, wie ich ihn dort in der Gruppe, reflektiert und aus der Metaebene, ganz schlau hinschreiben kann. Manchmal bin ich eben diese „blöde Scheißkackmama“, wie meine große Tochter mich dann immer ruft, wenn ich wieder ungerecht bin.

Ja, ich bin ungerecht. Und ich schimpfe. Auch laut und fies. Mit Schimpfwörtern!

Ich bin manchmal richtig geladen und da passiert es sogar, dass ich sie nicht ‚in ihrer Wut begleite‘, sondern auch austicke und sage, dass es ja auch in einem anderen Ton geht! (… Wer entdeckt hier den Fehler? Hm? 😉 )

Ja, ich bin gelegentlich zu müde oder zu faul, ihr Essen zu machen und dann knabbert sie eben die Süßigkeiten leer. Die Wäsche stapelt sich und die Wollmäuse verheddern sich darin, wenn ich keine Zeit finde. Reden wir mal nicht vom Badezimmer… Und ja, auch hier kommen Themen durch, die immer und immer und verläßlich immer die Erziehungsungerechteblödescheißkackmama aufs Tablett rufen: aufräumen, Haare kämmen, morgens trödeln.

Ich krieg da selten die Kurve . Ich bin ambivalent, drücke zu feste, werde verletzend, bin bockig, dickköpfig, kindisch. Sage „Nein!“ ohne das begründen zu können, ich bevorzuge die kleine Tochter, nutze meine Überlegenheit aus, überrede, rede mich raus und bin unfair…

Und hier schreib ich Artikel darüber, wie Beziehung gelingen kann! Ha, ha. Das ist doch der Hohn!
…oder?

Warum ich hier dennoch schreibe und wie es mir gelingt, mir immer und immer und verläßlich immer wieder zu verzeihen

Neulich zog meine Große bei einem Frage- & Antwortspiel eine Karte, wandte sich zu mir und fragte:
„Macht es dir Spaß, dir selbst zu verzeihen?“
Ich finde diese Frage ganz hervorragend! Ich musste kurz überlegen, und war dann ganz entschieden: Ja! Eindeutig!
Wenn ich erstmal zu mir selbst durchgedrungen bin, nachdem ich irgendeinen Mist verzapft habe, und dann ernsthaft und reinen Herzens denke ‚Ist schon ok. Hätte besser laufen können, aber jeder Fehler soll mir ein Lehrmeister sein!‘, dann freue ich mich darüber schneeköglich! Wirklich. Ich feiere das! Denn es ist keine Selbstverständlichkeit an diesen Punkt zu gelangen.
Aber ich verzeihe mir selbst, wie ich anderen auch verzeihe. Ich versuche mich mit mir an eine Tabula rasa zu setzen und erkläre mir: Es ist ok, weil…

Ich lerne!
Ich war grade wieder gemein, habe aus meinem inneren, verletzten Kind reagiert und Verantwortung abgegeben. Das passiert mir in stressigen Zeiten mitunter täglich. Und -selbstredend- ist das nicht gut! Aber eben nicht unverzeihlich.

Mittlerweile ist es so, das ich mir in solchen Situationen immer selbst zusehen kann. Ich weiß klar und genau, das ich gerade Scheiße baue. Diese wache, innere Beobachterin ist es, die mir zeigt, dass ich auf dem Weg bin und auch dieser „Fehler“ Teil des Prozesses ist. Sie versöhnt sich mit mir selbst, denn sie zeigt, dass es mir bewusst ist, was da passiert. Früher habe ich das automatische Elterngeblubber ganz ohne es zu merken rausgelassen. Jetzt ist es präsent. Das gehört zu den kleinen Schritten, die ein Heilungsprozess nun einmal braucht. Ich muss noch heilen von Erziehung.

Ich lebe!
Ich lebe mit hohen Ansprüchen an mich selber. Jemand anders übt seinen Perfektionismus an Beruf, Studium oder Hobbys aus. Ich bin Muddi. Nicht zu selten fällt mir das gar nicht auf, weil es für mich Normalität ist, aber ich möchte eine „gute Mutter“ sein, eine lässige, coole, entspannte Mutter, die nicht erzieht. Ich weiß sehr genau, was ich da möchte und was ich vermeiden will – und deswegen fallen mir alle Abweichungen eben auch sehr genau auf. Viel zu genau. Wie Flecken auf einem weißen Tischtuch.
Erwartungen sind immer (!) mit einem Druck verbunden. Druck, ganz physikalisch, erzeugt Druck. Wo Druck unangenehm wird, weicht der Mensch, der schlaue. Und das ist auch gut.

Denn an den Stellen, wo meine Kinder weichen und mit Gegendruck arbeiten, kann ich mich wieder mal bremsen und mir sagen: Hey! Bleib cool! Liebe passiert. Und nur die braucht es. Entspann dich maximal und alles um dich rum wird entspannter.
Und, hey, ungelogen, das klappt jedes Mal!

Ich liebe!
That’s it!
Darum geht es. Ich verzeihe mir, weil ich liebe. Und weil ich liebe, verzeihe ich. Und wenn ich mir als erstes verzeihe, kann ich auch meinen Kindern verzeihen! Und die, die verzeihen ja sowieso. Diese großzügigen, nachsichtigen, liebevollen Wesen.

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56 Gedanken zu “Ich bin eine blöde Scheißkackmama!

  1. Danke für diesen Artikel. Man möchte es immer genauso locker und cool hinbekommen, wie du es schreibst u wenn man es nicht hinbekommt, denke ich oft, dass Menschen wie dir sowas garantiert nicht passiert. Der Artikel nimmt ganz viel Druck weg 🙂 Lieben Dank für deine Ehrlichkeit!

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    1. Melanie, wenn es auch nur ein paar Eltern, und wenn auch nur für diesen Moment, den elendigen Druck nimmt, war der ganze Artikel das Bibbern vorab Wert. Und ich habe gebibbert, denn auch ich habe das selbe Gefühl du: Ich bin bestimmt weit und breit die einzige blöde Scheißkackmama und kriegs nicht hin.
      Das es nicht so ist, beruhigt mich sehr!
      Danke für deine Rückmeldung!

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  2. Ja, DAS habe ich gebraucht! Endlich mal ein ehrlicher authentischer Beitrag! Man glaubt ja oft, nur man selbst sei manchmal so „menschlich“ und dann setzt man sich so unter Druck, weil man denkt, so darf es nicht sein…aber nun…andere sind eben auch nur Menschen! 🙂

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    1. Kullermurmel, ich bin ganz genau so froh, nicht der einzige „Mensch“ zu sein! 😉 Danke für deine Rückmeldung.
      Woher kommt denn wohl dieses Bild der Mutter, das solch einen hohen Anspruch vermittelt und Druck verursacht? Ich finde es jedenfalls unglaublich anstrengend und überholt.

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  3. oh schön, den Artikel hab ich gern gelesen.Ich bin auch oft eine Scheißkackmama. Aber die tollste Scheißkackmama, die ich sein kann. Und mein Kind ist auch manchmal ein Scheißkacksohn. Liegt wohl in der Familie 😉 Außerdem gabs doch da auch mal was mit Erkenntnis, und Besserung und so. Ich übe noch!

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  4. Ich muss sagen, dieser Blog gefällt mir von Mal zu Mal besser. Das ist das Leben und keiner ist perfekt… Wir lernen alle aus jeder Situation… Und das ist das Wichtige.
    😊

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    1. Scheißkackpapas gibt es also auch?! 😉 Wird ja auch Zeit, das wir mal aus unseren Rabenelternnestern gucken, wa?
      Ich dank dir für die schöne Rückmeldung! Dir auch viel Spaß und Freude beim weitere Fehler machen und Versöhnen.

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    1. Ich danke dir!
      Ja, Scheißkackmama bin ich phasenweise mal täglich und dann geht es auch wieder ne Weile harmonisch zu. So lebts sich ganz im Schnitt ganz gut, wa?! 😀 *lach*

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      1. Hallo huhu. Ich glaube das mit dem phasenweise täglich hängt evtl mit der Hormonumstellung einmal im Monat zusammen!? Jedenfalls könnte ich es bei mir feststellen 😉
        LG

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  5. #scheißkackmama
    Streit gestern: Mal wieder aufräumen. Der lange Atem war irgendwann aus, die Ungeduld gewann und ich brach einen riesen Streit vom Zaun. Ich war gemein, Kind war gemein, ich war gemeiner, Kind war noch gemeiner und irgendwann stößt Kind den grade gefalteten Klamottenstapel um, woraufhin die Klamotten meinerseits durch die Luft flogen. 😦
    …Scheiße!…
    Aber nu jut:
    Zeit, durchatmen, kurz raus und einfach mal sacken lassen. Dann eine lange Umarmung, wir reden, verzeihen uns und es endet in erleichterndem Gelächter als ich sage, das es (trotz streitgebeuteltem Herzchen) voll gefetzt hat, einfach mal Klamotten in die Luft zu werfen.
    „Sah auch schön aus!“ sagt sie, „Will ich auch mal machen.“
    😀 Hammwa jelacht!

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  6. Ich musste erst mal herzlich lachen, als ich den Titel las. Manchmal gibt es ja auch blöde Scheisskacktage, an denen eben nichts so klappt wie vorgenommen und flugs verwandelt sich alles in Scheisskack, ob Mama, Papa, Kind oder Zimmer. Und in all den langen Jahren, in denen wir nun schon Eltern sind, gibt es nur noch selten Scheisskack, aber manchmal erwischt es uns doch noch. Die Zutaten zum Scheisskackmamapapakindsein kenne ich inzwischen aber ganz gut.

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  7. Super ehrlich geschrieben. Das hab ich mal gebraucht. Denn es geht mir auch ab und zu so. Da werde ich auch als blöde fiese Scheißmama beschimpft die nie was erlaubt und nie wartet etc…

    Würde sehr gerne mal bei ein paar Mamis Mäuschen spielen die hier und da Artikel schreiben. Gucken ob das wirklich immer mit soviel Gelassenheit und Geduld zu geht und jedes Wort aus der gewaltfreien kommunikationsschublade sorgfältig ausgewählt wird. Ich kann mir auch nicht vorstellen dass das dann noch authentisch ist. Und das ist ja dann auch eher schlecht. Wir haben alle Emotionen und die dürfen ab und zu auch raus. Es sollte nur kein Dauerzustand sein. Damit umzugehen lernen zu schauen wo das herkommt ist sicher für jeden nicht verkehrt. So wird man Schritt für Schritt zum „besseren Menschen“ . Man sollte sich da nicht selbst überfordern. Perfektionismus ist aber immer das Ende von Spaß. das gilt auch beim attachment parenting.

    Ich finde auch eine ganz große Sache die wir von den Kindern lernen können ist nicht nachtragend zu sein und zu verzeihen. Auch uns selbst.

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  8. Danke für diesen ehrlichen und wichtigen Artikel!

    Auch ich bin des öfteren eine „blöde Scheißkackmama“, was ich hinterher sehr bereue, aber auch ich übe mich im verzeihen und kann dabei ganz viel von meinen Kindern lernen und dann können wir zusammen schöne Versöhnungsmomente genießen ❤
    Dieses "sich-selbst-beobachten-und-wissen-dass-man-sich-falsch-verhält-aber-trotzdem-weitermachen" kenne ich auch sehr gut aus eigener Erfahrung. Ich habe das bisher noch nicht so wahrgenommen, aber ja, ich glaube du hast recht, es zeigt wohl, dass man auf dem Weg zu mehr Selbstwahrnehmung und Bewusstheit ist (auch wenn der Weg zu dauerhafter Gelassenheit vielleicht noch lang ist 😉 )

    Du fragst in der Antwort zu einem anderen Kommentar woher diese Haltung wohl kommt, dass man sich immer perfekt verhalten muss…
    Ich denke zu einem großen Teil kommt sie schon auch von den verschiedenen FB Gruppen, Blogs, Videos, Interviews etc. In der Theorie wissen wir ja alle, wie sich schwierige Situationen am besten lösen lassen. Und aus der Distanz und vor allem in einem Moment der Ruhe, in der man sich aufs schreiben oder analysieren und erklären konzentrieren kann, fallen einem viele tolle Ideen, Tipps und Lösungen ein. Nur ob man das dann auch selbst in der Praxis immer so hinbekommt, ist ja nochmal ein ganz anderes Thema. Und genau das kommt halt bei vielen Artikeln, Interviews oder Online-Diskussionen nicht wirklich zur Sprache.
    Und mal ganz ehrlich, natürlich ist es immer leichter und beruhigender sich als jemanden wahrzunehmen und darzustellen, der das alles richtig macht, als auf die eigenen Fehler zu schauen. Da nehme ich mich selbst bestimmt nicht aus! Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass die meisten von uns von klein auf gelernt haben, dass Fehler etwas schlechtes sind und man sie möglichst vermeiden oder vertuschen sollte. Dabei liegt ja gerade in der bewussten Wahrnehmung der "Fehler" das allergrößte Lern- und Entwicklungspotenzial.

    Wenn Eltern sich mit unerzogen, gewaltfreier Kommunikation und Bedürfnisorientierung beschäftigen und am Ende dabei rauskommt, dass sie sich selbst verurteilen und denken sie sind zu blöd oder unfähig dafür, machen alles falsch und ruinieren das Leben ihrer Kinder, dann ist damit bestimmt niemandem geholfen!

    Deswegen danke ich dir sehr für diesen tollen Artikel und würde mir wünschen, dass noch mehr online-präsente Eltern den Mut zu dieser Offenheit finden und zeigen, dass wir alle "nur" Menschen sind 🙂 LG Nina

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    1. Vielen Dank, liebe Nina, für deinen umfassenden Kommentar! Ich musste die ganze Zeit nicken und lächeln und dachte ‚Ja, ja und ja!‘
      🙂
      Fallen dir vielleicht noch weitere Themen ein, die die Community mal offener und ehrlicher behandeln sollte?

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  9. Wieso…muss ich als Frau erstaunt darüber sein, dass eine andere Frau darüber schreibt wie das wirkliche Leben gelebt wird ? Es macht mich traurig wenn ich lesen muss wie reflektiert einige Frauen sich im Netz präsentieren und anderen das Gefühl vermitteln unPERFEKT zu sein. Wieso..tuen wir Frauen uns das an ???? Bleib weiter MUTIG und schreibe uns wie es bei dir abgeht und sei dir sicher….Damit bist du nicht ALLEIN 🙂 LG an alle Mütter oder Väter

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    1. Liebe Kerstin!
      Du hast so von Herzen geschrieben… Das bewegt mich grad voll. (Wenn du wüsstest, wie unsicher ich mir im Vorhinein gewesen bin mit dem Text, wäre klar, weshalb. ;))
      Danke von Muddaherz zu Muddaherz!
      Hannah

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      1. Liebe Hannah, und ob ich mir das vorstellen kann was sich bei dir abgespielt haben muss. Aus eigener gesellschaftlichen Erfahrungen und dazu gehörten auch FRAUEN, wurden mir des ein oder andere mal, sehr deutlich die Spielregeln klar gemacht. Manchmal habe ich das Gefühl mit so einem Kodex geboren worden zu sein und Frau hat sich daran zu halten oder ist ein krankes Huhn 🙂 Wird Zeit das wir gemeinsam damit aufhören, auch mit der ewigen Diskussion wer wann, wo oder wie immer was nicht richtig macht usw. In diesem Fall sollten wir SCHEIßKACKMAMAS und SCHEIßKACKFRAUEN sein und das machen was wir für richtig halten….Fragen dürfen beantwortet werden, nicht Kommentiert. Lieben Gruss an Euch alle da draußen. Meine Kinder hätten da noch andere Begriffe wenn sie in der Wut sind….AUTSCH 🙂

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  10. Das ist der tollste, entlastendste, authentischste und absolut wertschätzendste Beitrag zum Muttersein ever! I love it!
    Vielen herzlichen Dank dafür ❤
    Ich erkenne mich in fast allen Zeilen wieder.
    Und dort, wo ich mich nicht erkenne, sehe ich plötzlich, wie wichtig es ist, dass ich mir verzeihe und mein Engagement für eine gleichwürdige Beziehung zu meinem Kind wertschätzen lerne.
    Danke, danke, danke!

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  11. Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit unerzogen leben. Eigentlich schon seit der Geburt meiner Mittelsten, aber nicht bewusst, hab halt intuitiv gehandelt.
    Je mehr ich lese und es für richtig empfinde.desto mehr setze ich mich aber selbst unter Druck. Jetzt muss ich lernen mir Fehler zu verzeihen und das Gelesene nicht unbedingt 1:1 in jeder Situation unterzubringen. Dieser selbsterzeugte Druck stresst mich und das wirkt sich wiederum auf das Miteinander aus. Ein verflixtes Dilemma 😣

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    1. Oh weh liebe Claudia. Das glaub ich dir. Es wirkt wie eine Abwärtsspirle. Und ich glaube, es ist eher Bewegung, ein Prozess der Wandlung eines ganzen Systems. Auch wenn es nicht immer einfach ist. *mitseufz*

      Vielleicht magst du ja auch etwas versuchen, wie ein „Tagebuch der kleinen Erfolge“? Das hilft um den uns anerzogenen Fokus auf das Negative, bewusst umzulenken. (Hier hab ich mal über etwas ähnliches geschrieben: https://diephysikvonbeziehungen.wordpress.com/2016/01/27/du-willst-jetzt-unerzogen-leben-hast-aber-deine-kinder-bisher-erzogen-kann-das-gut-gehen/). Denn ich nehme an, wenn du in dich gehst, spürst du neben dem Druck auch, das dass erziehungsfreie Leben auch Ent-Spannung bringt.

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  12. Ich finde diesen Artike super! Danke dafür. Manchmal habe ihc nämlich das Gefühl ich bin hier gestrandet zwischen super-Mamas, die auf alles die richige Antworten haben, während ich ungeduldig bin, brülle und mit erschreckender regelmäßigkeit genau das nicht tue mit meinen drei Kindern, was ich mir doch vorgenommen habe! Dicken Knutscher!

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  13. Liebe Hanna,
    danke für deine ehrlichen Worte! Ich bin mir sicher, dass alle Mütter mehrmals am Tag so reagieren wie du.
    Ich denke, dass „unerzogen“ aber auch ein Stück weit etwas von Müttern verlangt, was kaum umsetzbar ist.
    Es geht manchmal einfach nicht anders, als einem Kind Grenzen zu setzen oder es „zu bevormunden“ – wie auch immer man es ausdrücken mag.
    Mir tut es fast ein bisschen leid, wenn Mütter, die sich zu 100% an „Unerzogen“ halten wollen, sich täglich mehrmals vorwerfen, etwas falsch gemacht zu haben und ein schlechtes Gefühl haben. Das müsste nicht sein.
    Wichtig ist, dass wir unseren Kinder Liebe und Zuwendung geben. Meine bald vier Kinder schlafen in meinem Bett, sie „müssen“ nicht in den Kindergarten, wenn sie nicht wollen, ich lasse mein Baby nicht schreien, stille und trage es lange. Ich versuche meinen Kindern zuzuhören, gebe ihnen Aufmerksamkeit, körperliche Nähe … Sie wissen, dass sie über alles geliebt, respektiert und als vollwertige Menschen geschätzt werden. Auch wenn ich sie immer mal wieder zurecht weise. Daran kommt man als Eltern nicht vorbei. Und dabei sollte man sich nicht jedes Mal schlecht fühlen müssen und denken, man habe etwas gemacht. Sonst kann man das Muttersein doch gar nicht mehr entspannt erleben.
    Liebe Grüße
    Shani
    http://www.greenmom.eu

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    1. Liebe Shani!
      Ich danke dir für deine Rückmeldung.
      Genau deswegen habe ich den Artikel geschrieben. Um mit anderen Eltern, unabhängig ob sie erziehen oder nicht, meine schwachen Momente zu teilen, um zu erleben und erleben zu lassen, das wir damit nicht alleine sind. Ich denke manchmal sind elterliche Fauxpas fast ein Tabu. Und ich denke das es vielen Eltern so geht, unabhängig davon, wie sie mit ihren Kindern umgehen.

      Bei dem Bild, das du von der Erziehungsfreiheit schilderst, treffen einige Denkweisen nicht ganz das, was unerzogen sein will. Die würde ich gerne mit dir diskutieren.

      Zum einen wird nichts ‚verlangt‘, denn es gibt keinen Regelkatalog, wie es richtig zu leben und umzusetzen ist (auch wenn viele sich das wohl wünschen würden 😉 ). Da unerzogen eine (Lebens)Einstellung ist, gibt es das nicht. Und aus dem Grund gibt es auch nichts und niemanden, die verlangt, das du keine Grenzen aufzeigst.
      Unerzogene wollen auch geben, dies gut zu begründen, entsprechende Reaktionen zu begleiten und idealerweise auch darüber zu reflektieren, woher diese Grenze denn kommt und ob sie _wirklich_ sinnvoll ist. Denn Grenzen, von denen wir im Umgang mit Kindern reden, sind meistens nur ideell und von Erwachsenen aus gedacht. Magst du mir ein Beispiel nennen von solch einer Grenze?

      Ich denke nicht das unerzogen-Eltern mehr dieses Druckes des ‚gute Eltern sein wollen, die keinen Fehler machen‘, den du da beschreibst, ich könnte mir allerdings gut vorstellen, das sie diesen Druck eher spüren, weil er bewusster ist.

      Was denkst du, könnte helfen da gelassener zu sein, fehlerfreundlicher mit sich umzugehen?

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      1. Danke, Hannah, für deine liebe Antwort.

        Gerne nenne ich dir ein Beispiel, das mich sehr beschäftigte. Ich las auf einem (äußerst erfolgreichen) „unerzogen“-Blog dass man seinen Kindern nicht mit „wenn …, dann“ drohen solle. Stattdessen solle man stets versuchen, das Bedürfnis des Kindes zu erfüllen.

        Als das Kind dieser Bloggerin Steine in den Pool warf, konnte sie ihm nicht sagen: „Wenn du nicht aufhörst, dann …!“ Also versuchte sie, das Problem anders zu lösen. Und zwar holte sie einen aufblasbaren Pool hervor, pustete ihn auf und füllte ihn mit Wasser. So konnte das Kind sein Bedürfnis ausleben und Steine in den aufblasbaren Pool werfen. Als das Kind Sand aus dem Sandkasten in den Garten warf, fuhr sie mit ihm zu einer Baustelle, damit das Kind dort mit Sand um sich werfen konnte. All diese Mühe bloß, weil sie ihrem Kind nicht mit einer „Konsequenz“ drohen wollte bzw. „durfte“. Gerade mit mehreren Kindern ist es nicht möglich, einem Kind immer jedes Bedürfnis zu erfüllen. Und ich merke sehr oft, dass ich ohne eine „Wenn, dann-Drohung“ nicht voran komme.

        Als harmloses Beispiel wird auf dem Blog weiterhin genannt, dass es nicht richtig sei, einem Kind zu sagen, man würde ihm keine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen, wenn es nicht sein Zimmer aufräume. Gerade das ist eine Aussage, die bei uns häufig fällt. Wenn ich abends mit den Kindern aufräume und sie nicht mithelfen wollen, erkläre ich ihnen, dass ich alleine mehr Zeit bräuchte und es dann eben nicht mehr für eine Gute-Nacht-Geschichte reiche. Das soll aber, laut des Blogbeitrages, falsch sein, da man mit solchen Drohungen seine Macht ausübe. Das sei Gewalt.

        Es gibt aber, wie gesagt, unendlich viele Situationen, in denen wir nicht um dieses „wenn, dann“ herum kommen. Ich selbst glaube nicht daran, dass das unbedingt „falsch“ ist und zerbreche mir darüber nicht den Kopf. Befürworterinnen dieses Blogbeitrags hingegen werfen sich jedes Mal, wenn sie solch eine „Drohung“ aussprechen, vor, falsch gehandelt zu haben und ihr Kind zu „manipulieren“. Das finde ich schade. Denn sie lieben ihre Kinder trotzdem über alles und schenken ihm ganz sicher unendlich viel Geborgenheit. Bloß, weil sie solche Drohungen aussprechen, fühlt sich deren Kind ganz sicher nicht ungeliebt (was in dem Blogbeitrag allerdings behauptet wird).

        Gerade erst las ich auf einem anderen (sehr erfolgreichen) „unerzogen“-Blog, dass ein Kind nicht die Haare waschen, die Zähne putzen und die Hände waschen müsse. Es sei der Körper des Kindes und wir Eltern dürften darüber nicht bestimmen. Wenn man es unbedingt so wichtig fände, dass das Kind seine Zähne putze, dann müsse man einen Weg finden, dass das Kind dies freiwillig und gerne täte. Auch dies halte ich für nicht umsetzbar. Alle meine Kinder hassen Haarewaschen. Ich habe schon alles versucht, meine Kinder dafür zu gewinnen. Aber irgendwann hat man dafür nicht mehr die Kraft und die Zeit.

        Wenn mein Kind sich nicht anziehen will, ich aber pünktlich irgendwo hinkommen muss? Man kommt einfach dann nicht drum herum, über sein Kind zu bestimmen, es zu bevormunden. Auszurufen oder halt eben auch mal zu „drohen“

        Schade, wenn sich Eltern dann gleich als Rabeneltern oder Scheißkackmamas fühlen … Denn das sind sie ganz sicher nicht. Deshalb möchte ich auch nochmals sagen, dass ich es schätze, wie ehrlich du von deinen Zwischenfällen berichtest.

        Sich als Eltern entschuldigen, wenn man einen „wirklichen“ Fehler gemacht hat und sein eigenes Verhalten zu reflektieren, das befürworte ich natürlich schon auch.

        Diese „Regeln“, was man alles nicht darf (zum Beispiel solle man seine Kinder auch nicht loben, las ich auf dem Blog), das macht es Eltern aber schwer, wie ich finde.

        Viele herzliche Grüße

        Shani
        http://www.greenmom.eu

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      2. Liebe Shani!
        Es betrübt mich, wenn unerzogen wie ein Dogma ankommt, bzw. dargestellt wird.
        Ich kann aus zeitlichen Gründen nicht auf jedes Beispiel eingehen, das du genannt hast.

        Die Beispiele, die du von anderen Blogs nennst, könnte man überschreiben mit dem Wort „Unden“. Das meint das versucht wird, möglichst viele Bedürfnisse auf einmal zu erfüllen. Bei dem Poolbeispiel war der Mutter vielleicht der ganze Aufwandt so viel wert, denn sie hätte jetzt entweder einen Streit vom Zaun brechen können, oder sich nach dem Aufblasen des Wasserbeckens wieder gemütlich neben den Pool legen können. So wäre ihr evtl Bedürfnis nach Ruhe UND das des Kindes nach Spiel und Forschung, zeitgleich gestillt.

        So zu denken ist eine ganz schöne Umstellung von Gewohnheiten und, da gebe ich dir recht, mitunter echt anstrengend (Zumindest anfangs). Das ist der ewige Zank, die Tränen und Trauer zu begleiten, weil Kind diesunddas grade nicht „darf“, aber auch.

        Das Unden in deinem Beispiel (>dringend los müssen<), könnte möglicherweise so klappen: Nimm die Klamotten für dein Kind mit und zieh sie ihm/ihr an, wenn es friert; Fang etwas früher an mit dem fertig machen (+selbst anziehen lassen?) ; mach ein Anzieh-/Singspiel;… Es gibt eine unendliche Möglichkeit, die solche Situationen entstressen, wenn man sie konkret daraufhin prüft.

        Lediglich der Wille dazu muss da sein. Und der entsteht leicht, wenn du hinter folgendem Gedanken stehst: Ich möchte meine Macht und Überlegenheit gegenüber meinem Kind nur im Notfall ausnutzen.

        Der Prozess dorthin ist schmerzhaft, denn er führt durch selbst erlebte Erziehungswunden. Sind diese erstmal verheilt, da möchte ich zumindest von mir sprechen, erleichtert unerzogen das Leben mit den Kindern ungemein.

        Und zu den anderen Blogs möchte ich noch ermutigen, in den Austausch zu gehen, nach- und zu hinterfragen. Die Pauschalaussage "Erziehung = Gewalt", trifft in meinen Augen zwar schon den Kern auf der theoretisch-argumentativen Ebene, nur in der Praxis eben nicht immer. Lass dich am besten von den angeblichen Ge- und Verboten nicht abschrecken. Wenn du unerzogen spannend findest, nimm dir das, was zu euch passt mit. Und, wenn ich noch etwas empfehlen darf, nimm auch das, was dich am meisten abstößt oder aufregt auch mal mit, und schau, warum es solche Resonanz in dir hat.
        Denn das ist in meinen Augen der größte Moment bei dem Gedanken der Erziehungsfreiheit: Die Reflexion und das Wachstum.

        In diesem Sinne danke ich dir sehr für deine auch kritischen Worte! 🙂

        Viele Grüße,
        Hannah

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  14. Aaah, toller Artikel! Sehr schön 🙂 Ich selbst bin Kindergärtnerin (das Wort Erzieherin find ich mittlerweile doof) und sehe mir auch oft zu und denk dann schlimme Sachen. Aber ich bin sehr bemüht und das ist die Hauptsache 😀 Ihr seid alle toll, der Artikel hat mich echt bestärkt!

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      1. Na, dann halt einfach die Augen auf nach Fragespielen. Da gibt es sicherlich viele. Auch Bücher finden sich viele. „Alles über mich“ fällt mir da spontan ein.

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