Warum „Ballerspiele“ zu verbieten keine gute Idee ist …

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Das Kind spielt gerne „Ballerspiele“, der Vater sieht das gar nicht gerne und will es verbieten. Die Mutter weiß nicht recht weiter. Sabine hat ihr geantwortet und einige Aspekte zum Weiterdenken aufgeschrieben: 

5 Aspekte, die zum Weiterdenken anregen:

  1. Es gibt auch Menschen, die meinen, ihren Kindern Kriegsspielzeug verwehren zu müssen. Mit dem Ergebnis, dass jeder Stock ein Gewehr, jeder Ball eine Granate, jeder Kumpel ein Kriegsgegner wird, der angegriffen werden muss etc. Kinder erschließen sich unsere Welt über Spiel. Unsere Welt ist durchdrungen von Gewalt: Filme, Bücher, Plakate … überall: Gewalt oder Sex. Spielen Kinder Einkaufsladen oder Vater-Mutter-Kind stehen wir Erwachsenen daneben und freuen uns, wie toll sie spielen. Spielen sie Krieg und Ballern empören wir uns entrüstet und wollen das verhindern. Warum? Sie spielen. Sie bringen keinen Menschen um, das haben sie auch in Zukunft nicht vor. Sie begreifen die Welt durch Spiel und um eine gewaltvolle Welt – und das ist unsere, zweifelsohne – zu begreifen, braucht es Spiele, die sich um Gewalt drehen.

  1. Der Aspekt der »verhinderten Beziehung«: Dein Sohn will diese Spiele spielen und alles was ihr tun könnt, ist, es zu begleiten. Verbietet ihr, wird er über kurz oder lang Wege finden und das Schlimme daran ist, wenn er dann etwas Verstörendes erlebt, wird er es euch nicht erzählen, sondern es mit sich selbst ausmachen müssen. Er kann es ja gar nicht erzählen. Es muss nicht mal etwas Verstörendes sein, sondern generell Gedanken, die ihm bei einem solchen Spiel durch den Kopf gehen oder Fragen, die entstehen. (Bei uns entwickeln sich dann oft sehr philosophische Diskussionen.) Es erscheint einfach, zu verbieten, ist aber eben nur kurzfristig wirksam. Das hat Wirkung auf Menschen. Keiner lässt sich gern etwas verbieten und wird Mittel und Wege finden, wenn das Interesse besteht. Und durch Verbot wird dieses Interesse natürlich noch mal gesteigert. Denn es kommt zu einer künstlichen Verknappung, einem Mangel, der zu jeder sich bietenden Gelegenheit aufgefüllt werden muss – und dann ist es wirklich egal, ob man das gerade will oder nicht. Man will es, weil es einem sonst verwehrt wird. Und im schlimmsten Fall treibt man das Kind aus dem Haus und es geht zu Freunden spielen. Und dann sagen sie dir, dass sie dort irgendwas machen, was deine Zustimmung findet und spielen dort aber die Spiele, die zu Hause verboten sind. Das kennen wir alle von uns selbst. So funktionieren Menschen. Dann doch lieber zu Hause und man kann begleiten. Da geht es mir nicht um Kontrolle, so kann man das auch lesen, sondern wirklich darum, als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung stehen zu können. Und mit Verboten und ständigem Anmelden von Zweifeln und schwerem Seufzen stehe ich dem im Weg. Mein Kind wird dann einen Teufel tun und mir das erzählen. Logisch.
  1. Der Aspekt des frühen Auseinandersetzens mit Gewalt: Wer sich in der Kindheit spielerisch damit auseinandersetzen kann, ist dann – so die Theorie – irgendwann durch mit dem Thema und braucht nicht wertvolle Erwachsenenjahre zu opfern. Das betrifft so viele Themen im Leben. Ich kann das für mich persönlich für andere Themen unterschreiben.
  1. Der Aspekt der Selbstbestimmung: Ich bin ja überzeugt davon, dass es niemanden nur im Geringsten etwas angeht, welches Spiel jemand spielt. Da braucht es keine Argumentation. Was dein Sohn spielt, geht deinen Mann nichts an. Punkt. (Ist natürlich schwer, deinem Mann gegenüber in deiner Situation damit zu argumentieren – das ist mir bewusst. Aber wenn du das im Hinterkopf hast, hilft es dir vielleicht auch.) 
  1. Und zu guter Letzt: Es ist ein Spiel! Es ist ein Spiel! Es ist ein Spiel! Gegen Schach sagt auch keiner was – im Gegenteil, da sind viele stolz auf ihre Kinder – und ist es doch nichts anderes als Kriegsstrategie, mit König tot und Bauernopfern usw. Es ist halt nicht so plastisch. Und ich denke, viele Computerspiele stehen der Anforderung im Strategischen in nichts nach. Sie sind nur sehr viel visueller.

 

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