Familienkonferenzen – Das Gegenteil von „Gut“ ist: Gut gemeint

DPvB_FamilienkonferenzSchimpfworte – Nicht jedeR kann damit gut umgehen, wenn eine Schimpfworttirade aus dem wütenden Kindermund auf ihn/sie eindonnert. Manch ein Elternteil bekommt davon fürchterlich schlechte Laune und fühlt sich gedemütigt.
In diesem Beispiel aus einem Post in der unerzogen-Gruppe, versuchte eine Mutter sich den Wunsch nach mehr Frieden in der Kommunikation zu erfüllen, in dem alle Beteiligten in einer Familienkonferenz ein Schimpfwortverbot gemeinsam beschlossen.

… Moment. Gemeinsam? Hat da wirklich jedeR „Ja“ gemeint, der für „Ja“ gestimmt hat?
Hannah überlegt sich, weshalb solche Familienkonferenzen möglicherweise nur vorgegaukelte Demokratie ist.

Über die nicht-ablegbare Macht von Eltern.

Ich versteh eure Beweggründe und sehe den Wunsch von euch Eltern, weniger Schimpfworte zu hören.
Eure Kinder sind nicht (nie!) verantwortlich für eure Laune, die ihr durch das hören von Schimpfworten bekommt! Das ist mir wichtig aufzuzeigen.

Aber mir ist noch etwas aufgefallen:
Ich finde Konferenzen in der Familie eher schwierig. Wer moderiert sie? Wer gibt die Richtung vor und kann neutral beurteilen, ob die Lösung gut ist etc.?

Es ist oft einfach unheimlich erwachsenenzentriert. Ich bin mir sicher, eure Kinder dürften auch eine einberufen, dennoch sind es meist die ‚Großen‘ die solch eine Runde zu lenken wissen. Unterbewusst ist klar, dass die Erwachsenen ein Ergebnis erwarten, mit dem sie zufrieden sind, es sieht aber nach außen hin so aus, als sei es gleichberechtigt. Das finde ich daran schwierig. Wir Erwachsenen sitzen einfach am längeren Hebel. Darüber täuscht auch eine Methode/ein demokratisches Entscheidungssystem nicht hinweg.

Ich möchte niemandes Lebens- und Gemeinschaftsform kritisieren oder gar angreifen. Nichts läge mir ferner, denn jede Gemeinschaft ist einzigartig. Ich werde einfach hellhörig bei solchen sehr erwachsen klingenden „Lösungen“ und ein möglicher Grund dafür könnte eben eure ‚Technik‘ sein.“

Ich möchte an dieser Stelle noch klipp und klar anfügen: Schimpfwörter sind wichtig für die psychische Gesundheit, da sie sehr rasch vorhandenen Druck abbauen. Werden sie nur verboten, ohne ein anderes Ventil anzubieten, kann das Verbot kontraproduktiv wirken. Lies hier, weshalb das so ist.

Advertisements

3 Gedanken zu “Familienkonferenzen – Das Gegenteil von „Gut“ ist: Gut gemeint

  1. Lieber fluchen, als schlagen. Zumal Kinder meist den Konnotationen der einzelnen Schimpfworte nicht kennen oder es gar nicht in der Richtung meinen. Und auch Kinder haben das Recht etwas blöd zu finden und das dann auch entsprechend zu äussern.

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich fluche auch und meine Kinder auch. Wobei ich mich doch bemühe darauf zu achten dass ich eine Situation als „beschissen“ tituliere und keinen Menschen als „Scheiße“ bezichne. Mal ganz direkt gesagt. Ich finde fluchen oder schimpfen auch in Ordnung aber persönliche Beleidigungen finde ich nicht OK.

    Und ich bin wirklich ein Fan des Satzes: Das Gegenteil von „Gut“ ist: „Gut gemeint”, kann ihn aber nicht in Bezug zu Familienkonferenzen bringen

    Zu deiner diesbezüglichen Beobachtung und den darauffolgenden Fragen:

    Ich bin mit Familienkonferenzen aufgewachsen. Wir hatten jeden Sonntag eine.
    Moderiert wurde sie von einem der 5 Kinder. Schriftgeführt hat ein anderes. Es gab gewisse Gesprächsregeln und der/die ModeratorIn hat auf die Wahrung dieser geachtet. Außerdem hat er/sie Zusammengefasst bzw. auf den Punkt gebracht was festgehalten werden sollte. Es wurden Erlebnisse, Beobachtungen, Ausflüge und Konflikte nachbesprochen. „Dienste“ umverteilt (wir haben immer unseren Betrag zum Haushalt geleistet – wobei der Hauptteil meiner Mutter blieb) aber wir wollten nicht immer dasselbe machen. Und tauschten dann wöchentlich Dienste wie „Geschirrspühler“ gegen „Müll runterbringen“ oder „Einkaufen“ oder ähnliches. Außerdem wurde besprochen was in der Folgewoche am Speiseplan stehen sollte (meine Mutter war Vollzeitarbeitende Alleinerzieherin es war also Planung geboten um alles unter einen Hut zu bringen) und welche Pläne fürs Wochenende anstehen (meistens gab es am Samstag einen Ausflug: also wurden 2 Optionen, je eine für Schön- und Schlechwetter, bestimmt – der Sonntag diente dafür der Erholung und der Konferenz und dem Spieleabend).

    Konflikte die sich nicht untereinander klären ließen wurden bei der Konferenz nochmal ausgebreitet, von allen gehört und gemeinsam an der Lösung gearbeitet. Kompromisse, Vereinbarungen oder Verträge wurden geschlossen und die Bedingungen von dem/der SchriftführerIn im „Buch“ festgehalten. Das „Buch“ lag immer im Wohnzimmer. Darin konnte man unter anderem auch die Anwesenheitsliste bei den jeweiligen Konferenzen (5 Kinder, 3 Väter, 2 davon mit Besuchsrecht.. oder eher -Willen) einsehen.
    Auf was wir uns geeinigt hatten das GALT (zumindest bis zur nächsten Konferenz) – und es war für jede(n) jederzeit einsehbar. Sofern nachbesserungsbedarf bestand oder an anderes Thema aufkam, trug man sein Anliegen in die Themenliste der kommenden Konferenz ein und hatte dann dort die Möglichkeit es vorzutragen.

    Meine Mutter nahm als gleichwertiges Familienmitglied teil, auch sie brachte manchmal Themen ein, aber sie mischte sich zb nicht ein wenn 2 Kinder eine Vereinbarung untereinander getroffen hatten, mit der wir Kinder zufrieden waren, obwohl meine Mutter sie eigentlich Unfair fand. Ich hab bei ihrem letzten Umzug nämlich in einem der Bücher gestöbert und gefragt warum Vereinbarungen zwischen meinen Brüdern aufgezeichnet waren, in denen sich beide darauf einigen, dass er eine 18 Autos zum spielen hat während der andere nur 2 bekommt. (Ja: Das war ihnen offenbar ein Thema im Buch wert.) Und meine Mutter sagte dann, dass mein jünster Bruder – der nur die 2 Autos bekam – es selbst nicht als unfair empfand, dass er nur 2 Autos bekam und sein älterer Bruder die 18 anderen. Denn es ging ihm nur um diese 2 – die seine Lieblinge waren und er nicht wollte dass jemand anderer sie vielleicht kaputt macht oder verliert. die 18 anderen waren ihm nicht wichtig genug um einen wie auch immer gearteten Anspruch darauf zu stellen. Wenn es nach meiner Mutter und ihrem Verständnis für Fairness gegangen wäre, hätte sie höchstwahrscheinlich einfach – ohne die Begründung zu hinterfragen – 10:10 aufgeteilt und fertig.

    Nach den Familienkonferenzen fand immer ein Brettspielabend statt.

    Und ich halte es mit meinen vier Kindern genau so. Wobei ich noch die Schriftführung mache, weil meine Kinder noch nicht schreiben können, aber mein 6 jähriger bereits immer wieder die Moderation übernimmt. Er mag auch nicht immer.

    Alles Liebe
    immortal

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s