Bitte und Danke sagen

img_6405Bitte und Danke sagen – immer wieder kommt diese Frage auf: Wie haltet ihr es damit? Vielen Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder sich mit den Gepflogenheiten auskennen, manche denken nur durch den verbalen Ausdruck von Danke und Bitte könne Wertschätzung zum Ausdruck kommen, andere wiederum pfeifen auf die konventionellen Höflichkeitsfloskeln und meinen ihre Kinder sollen sich ausnahmslos authentisch ausdrücken, egal wie. 

Es gibt viele Arten und ebenso viele Vorschläge, wie man sich dieser Frage nähern kann. Die wohl am meisten verbreitete, insbesondere bei kleinen Kindern (vor Schulalter) ist: Vorleben! Darauf vertrauen, dass sie es nachahmen. Sie orientieren sich an dem, was sie erleben.
Ich halte das tatsächlich auch für eine sehr nachhaltige Strategie. Und es ist quasi wie beim Laufenlernen, Sprechenlernen, AufsKlogehenlernen – sie machen das in unterschiedlichem Alter.

Vor einiger Zeit teilte Marie (Name geändert) in der Facebook-unerzogen-Gruppe eine Sorge über ihr Kind (im Grundschulalter), das ihrer Meinung nach nicht ausreichend Bitte und Danke sagt. Hier ist, was ich ihr antwortete:

„Hallo! Ich hab nicht alle Kommentare gelesen, aber einige. Ich weiß schon, dass jedenfalls eines deiner Kinder 9 Jahre alt ist.
Und ich hab mitgekriegt, dass dir das mit dem Bitte und Danke sagen wichtig ist, weil du es normal findest. Ich geh mal davon aus, dass dein 9-jähriges Kind in den letzten 9 Jahren ausreichend Gelegenheit hatte, sich Informationen über deine Meinung zu verschaffen. Und natürlich, dass du das vorlebst, was du dir von den Kindern wünschst.
Nun ist dein Kind 9 Jahre alt und trifft eine andere Entscheidung, als du es dir wünschst. Ich bin mir total sicher, dass es weiß, dass dir das wichtig ist und auch dass es weiß, dass „man das so macht“. Und es trifft eine Entscheidung. Für sich. Für jetzt. Bei Arztgummibärchen. [Marie ärgerte sich darum dass das Kind sich nicht für Gummibärchen bedankte, die es beim Arzt bekam.] Könntest du dir vorstellen, das einfach zu respektieren?
Ich z. B. finde, dass Kinder ein Recht darauf haben, gesellschaftliche Gepflogenheiten, Manieren, Höflichkeitsfloskeln und derlei kennenzulernen. D. h. ich hab es als meinen Job angesehen, sie damit vertraut zu machen, sie darauf hinzuweisen, zu erklären, wie’s geht (Tischmanieren z. B.) und natürlich zu sagen, wie ich das finde und zu erklären, was ich denke, wie andere das finden. Darüber hinaus hab ich gefunden, dass ich dafür zuständig bin, dass ich die Kinder auch auf unterschiedliche Gepflogenheiten an unterschiedlichen Orten aufmerksam mache.
Und ich tat das, damit sie eine freie Entscheidung treffen können. Mein Job ist es, sie mit Infos zu versorgen und auch, ihnen meine Meinung zur Verfügung zu stellen, vor allem weil ich weiß und mich darüber freue, dass sie mir vertrauen und sich an mir orientieren. Wenn sie Phasen haben, in denen sie sich anders entscheiden, als ich es cool finde, oder es auch dauerhaft anders machen, dann ist es einfach nur mein Job, das zu respektieren. Ich kann fragen, wir können uns streiten etc. … aber ändern kann und will ich es nicht. Ich will, dass sie ihre Entscheidungen treffen. Und ich finde gut, wenn die anders sind als meine. 

Hat dein Kind noch nie Danke oder Bitte gesagt in den letzten 9 Jahren?“ 

Wichtig ist mir, dass Kinder in dem Alter von Maries Kind ausreichend Informationen haben, und reichlich Gelegenheit zur Orientierung gehabt haben, und dass sie Entscheidungen treffen können, auch wenn wir die nicht immer gut finden.

Das kann hart sein. Und es ist gut, wenn wir uns daran gewöhnen. Und dass wir das respektieren und sie trotzdem begleiten. Maries Kind kennt seine Mutter und weiß, was dieser wichtig ist. Sie experimentiert vielleicht einfach gerade nur. Marie kann immer noch einfach für ihr Kind „Danke“ sagen, wenn ihr das wichtig ist.

Namen der Fragestellerin geändert 

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Ein Gedanke zu “Bitte und Danke sagen

  1. Mir selbst ist es auch schon passiert, dass ich nicht danke gesagt habe, als ich etwas bekommen habe bzw ich war so in meinen Gedanken vertieft, dass mir erst dann später aufgefallen ist: hoppla da hast du aber was vergessen, liebes.. Und ich denke bei Kindern ist es ebenso, vlt war das Kind grade abgelenkt, oder in Gedanken oder oder..

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