Endlich leichter mit Kindern leben – Vom Zauber der vielen Wahrheiten

Du bist müde.

Den ganzen Tag schon bist du auf den Beinen. Die Termine sind heute mal wieder dicht gedrängt und anstrengend gewesen und du willst einfach nur noch abschalten. Du kommst heim, öffnest die Tür und dich gucken erwartungsfrohe Kinderaugen an, die [füge hier ir-gend-et-was ein] wollen. Dringend! Jeheeeetzt!!!

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„Also gut …“, denkst du dir und schmierst die Brote, reparierst das kaputte Spielzeug, begrüßt jedes Kuscheltier einzeln mit Namen und ’nem Kuss und schaltest, in der frohen Hoffnung, dich nun endlich um dein Bedürfnis nach Ruhe kümmern zu können, das Kinderprogramm im TV ein. Du sagst noch, das du dich jetzt dringend ausruhen musst. Die Kinder nicken verständisvoll den Bildschirm an.
Du atmest lang aus und flätzt dich gemütlich aufs Sofa, der Tee riecht lecker. Du schließt die Augen, atmest tief ein und genießt die …

„[Irgendeeeetwaaaaaaas, Mamaaaaa!]“, tönt es eindringlichst in dein Ohr. Deine Kopfschmerzen pochen verstärkt und du hast einfach keine Kraft mehr; stehst erbost auf, meckerst herum, dass sie dieses ‚irgendetwas‘ ja auch wohl mal selber können und du doch grade gesagt hast, dass du deine Ruhe brauchst. Mensch ey! Das ist doch nicht schwer zu verstehen … und so weiter.

Das Ende vom Lied sind weinende Kinder und ein großer Haufen unerfüllter Bedürfnisse. *seufz* Ihr kennt das …

An welcher Stelle hätte es einen Punkt gegeben, der dir den Ausstieg aus dem Chaos erlaubt hätte? Oder ist es gar möglich, solch eine stressige Situation gänzlich zu verhindern? Die Antwort ist zauberworthaft und erstaunlich einfach: Wechsel deine Betrachtungsweise, drehe bewusst an deiner Wahrnehmung und wechsel deine Perspektive!

 

Wie ein Perspektivwechsel gelingt –

6 Möglichkeiten dir Stress zu sparen

Sprich: Wie kann ich es anders sehen und Situationen, Probleme und Gegebenheiten noch betrachten?

Atmen

In besonders brenzligen Situationen, versuche dir ein klitzekleines bisschen Zeit zu verschaffen, um mal kurz durchzuatmen und dich zu sammeln. Zehn Sekunden reichen aus. Augen schließen und bewusst Atmen ist das allerbeste und altbewährteste Mittel, um sich zu beruhigen. Zähle zum Beispiel langsam von 10 runter.

Empathie & Mitgefühl

Du versetzt dich in dein Gegenüber hinein. Was kann dein Gegenüber veranlasst haben, so zu (re-)agieren? Hat es wirklich etwas mit dir und eurer Beziehung zu tun oder ist die Quelle für das Problem, vielleicht ganz woanders zu suchen? Wie fühlst du dich, wenn dir jemand so begenet, wie du es gerade tust?
Dreh die Situation um und begegne dir selber.

Erwartungen & Ent-täuschung

Sie sind der böse Hinkefuß, den wir ewig und zuverlässig mit uns umherschleppen und der uns das Leben ganz schön schwer machen kann. Für die Protagonistin im oberen Beispiel, war es wohl die Erwartung, das „nach Hause kommen“ sichere Erleichterung verschaffen wird. – Erwartung enttäuscht –. Dann die nächste Erwartung, dass sich Ruhe einstellt, nachdem sie sich kurz gekümmert hat. – Erwartung enttäuscht –. Und so weiter …
Die Gedanken können unser größter Feind werden. Die Realität meint es meist gar nicht so böse mit uns. 😉 Wir ent-täuschen uns meistens selber. Die anderen können da gar nichts für.
Also kurz: Frag dich, was hast du erwartet und war das vielleicht unrealistisch und von Bedingungen abhängig, die außerhalb deiner Person und Verantwortung liegen?

Positivieren & Die rosarote Brille

„Gutmensch“ ist verwunderlicherweise eine Beschimpfung geworden, ebenso wie „Optimist“. Da kratz‘ ich mir doch am Kopf, denn ich finde den Satz: „Ich habe entschieden glücklich zu sein, weil es besser für meine Gesundheit ist“ ungemein schlau und richtig.
Also, schau dir die Situation doch einfach aus der rosaroten Brille an: Was kann an der Situation gerade gut  und sinnvoll sein? Du wirst eingeladen, dich anders zu verhalten als sonst. Deine Muster zu verlassen und alten Wunden, aus denen heraus du sonst leider häufig und meist unbewusst reagierst, höhnisch ins Gesicht zu lachen.

Humor & Die schnelle Erleichterung

Apropos Lachen: Suche nach einem Punkt, der offensichtlich absurd oder einfach komisch ist und hebe diesen hervor. Verzerre die Realität ein bisschen nach hier und da, ohne zu verletzen. Ein kleiner Scherz, vor allem wenn er überraschend ist, bietet die beste Türe, um sich vom Stress der Lage zu verabschieden.
Oder allein um die eigene Perspektive zu lockern, denk dir alles wie einen Comic; stell dir dein Gegenüber in einem Kostüm vor oder als wildgewordenen Nachrichtensprecher … sowas. 😉 Sei kreativ! Denn Lachen baut Stress und Aggressionen zuverlässig und schnell ab.

Externalisieren & Von außen betrachten

Wie würde jemand anderes, den du magst und schätzt im Umgang mit seinen Mitmenschen, das Problem wohl lösen? Es kann hilfreich sein, sich das richtig bildhaft zu machen, was es für Alternativen geben kann in einer Situation, in der du dich ratlos, hilflos und überfordert fühlst.
Wenn du Zeit hast und es um Themen geht, in die du dich immer wieder verstrickst: Stell drei Stühle nebeneinander und gib jedem Stuhl eine Überschrift, eine Perpektive, die für dein Thema passend ist. Das kann alles mögliche sein.
Ein Stuhl ist „neutral“, einer „negativ“ und einer „positiv“. So lässt sich diese simple Methode leicht verinnerlichen und auch gemeinsam, z. B. mit dem Partner oder einer Freundin, als Interview durchführen. Du kannst dir auch Personen überlegen, in die du dich, im wahrsten Sinne, hineinversetzen möchtest.

 

Der Perspektivwechsel ist eine Königsdisziplin des Spiels!

Unser inneres Kind ist von vernünftigen, inneren Erwachsenen nur so umzingelt. Hör auf dich selber zu erziehen und raus mit dem Kind in dir: Lasst uns mit der Wahrheit und ihren vielen Blickrichtungen das Leben leichter spielen!

 

Beispiele für den hilfreichen Perspektivwechsel

Wenn du noch Lust auf Lesen hast, hier noch ein paar kleine Beispiele, in denen der Blickwinkel viel Streit und einige neue Falten erspart hat, um es mal praktisch zu zeigen.

  • Ich bin enttäuscht, denn mein Freund hat einen spontanen, aber dringenden Termin am Abend. Dabei hatte ich mir doch extra heute den Batzen Arbeit mit nach Hause genommen, in der Hoffnung ihn frühzeitig erledigen zu können.

Nicht: „Ich bin schon wieder allein zuständig, mich um die Kinder und den Haushalt zu kümmern und komme nicht zu dem, was ich tun möchte!“

Sondern
: „Ich habe endlich einen Abend, kritiklos und in Ruhe mit den Kindern im freien Spiel zu sein, muss nicht auf ihn Rücksicht nehmen und kann alles stehen und liegen lassen, wie ich will.“

 

  • Tochterkind hat ihre Freundin zu Besuch und backt Kuchen. „Ganz alleine!“, so war es der Wunsch. Ich freu mich, denn es riecht lecker, ich hab voll Bock auf Süßkram und ich habe noch nicht einmal Arbeit damit. Ich gehe in die Küche und sehe das apokalyptische Brombeer-Inferno. Selbst nachdem die Süßen „sauber“ gemacht haben, denke ich über Renovierung nach und muss auf Knien schrubben.

Nicht: „Wenn die schon backen wollen, sollen die das auch ordentlich sauber machen!“

Sondern
: „Sie haben nicht gebacken, um danach meinen Vorstellungen von Sauberkeit zu entsprechen, sondern um eine leckere Sache entstehen zu lassen und mit uns allen zu teilen. Sie haben es nach ihrem Vermögen möglichst gut gemacht. Der Kuchen wird lecker sein. Außerdem ist das ein super Grund, mal wieder in den hintersten Ecken zu wienern. Puh, das ist echt mal wieder nötig.“

 

  • Auf der Arbeit bekomme ich noch eine Aufgabe zugetragen. Die dritte in einer Woche, das ist deutlich mehr als sonst.

Nicht: „Grummelgrummel, das wird mir zu viel, grummelgrummel …“

Sondern: „Ich freue mich, das mir das zugetraut wird und bin von mir selbst überrascht, dass ich es probieren möchte. Vielleicht werde ich daran wachsen. Außerdem merke ich deutlich, es ist an der Zeit, mich mehr in Abgrenzung und Self-care zu üben.“

  • Und unsere gestresst Frau vom oberen Beispiel? Wann und wie hätte sie ihre Situation in eine weniger anstrengende drehen können?

Nicht: „Boah… Wenn ich zuhause bin, mach ich nichts mehr und leg gleich sofort die Füße hoch.“

Sondern: „Ich bin zwar ganz schön alle, aber ich freu mich auch auf meine Kinder. Besser wir machen heute einen gemeinsamen Kuschel-Fernsehabend mit Knabberkram. Da komm ich ein wenig zu Ruhe und die Kinder haben meine Nähe und Unterhaltung.“

Nicht: „Grrrrr…. Jetzt wollen die Kinder schon wieder irgendeinen unwichtigen Mist, obwohl ich gesagt habe, ich brauche meine Ruhe…!“

Sondern: „Natürlich können die Kinder nicht ihre Bedürfnisse einfach so zurückschrauben und nur noch für meine Bedürfniserfüllung  sorgen. Ich werde versuchen beiden nachzukommen, denn unzufriedene Kinder, stehen meinem Wunsch nach Entspannung im Weg. Daher werde ich sie einfach fragen, was genau sie brauchen und mich dann darum kümmern.
Danach kann ich mich wieder hinlegen. Und vor allem: Ich werde jede Minute Ruhe ganz bewusst genießen.“

 

Welche Beispiele fallen dir ein? Wann ist dir ein Perspektivwechsel so richtig gut gelungen? Lasst uns in den Kommentaren drüber Plaudern.

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