[repost] 6 Gründe warum kleine Kinder hauen

IMG_9111Wenn es um hauende Kleinkinder geht, lese und höre ich immer wieder folgenden „Rat“ – nennen wir es doch lieber beim Namen: Vorwurf – an die entsprechenden Eltern: „würde meine Tochter hauen, würde ich mit ihr reden, dass es nicht geht“…

Ich vermute, beinahe jeder Erwachsene redet mit seinem Kind, wenn es beginnt sich körperlich zu artikulieren…

Und genau das ist der Punkt: Warum hauen kleine Kinder?

Kinder hauen aus unterschiedlichen Gründen. Hier einige davon:

1. Hauen ist es ein Kommunikationsmittel:

Viele Kinder und insbesonds diejenigen, die später zu sprechen beginnen, kommunizieren oft körperlich. Von Außen wirkt es teilweise recht aggressiv, dabei will das Kind oft nur „Hallo, ich will gerne mit dir spielen“ sagen.

Das Kind an dieser Stelle zu ermahnen, wäre alles andere als hilfreich.

Sinnvoller wäre hier die Begleitung der Kinder. Ihr Tun für andere zu übersetzen, vorausschauend eingreifen, zum Beispiel durch sanftes, beinahe beiläufiges „Umlenken“ der zuschlagenden Gliedmaßen.

2. Kinder hauen, weil ihnen noch andere Strategien zur Problemlösung fehlen:

Gerade wenn Kinder frustriert sind, werden sie durch die eigenen Emotionen schnell überfordert. Das Stammhirn übernimmt das Kommando und sie verfallen in archaische Muster.

Passiert Erwachsenen übrigens auch regelmäßig. Bei ihnen würde es mir, im Gegensatz zu den Kindern, tatsächlich zu denken geben.

In diesem Fall hilft es trösten (das Kind ist überfordert, frustriert und in Not), vorleben und begleiten.

Es gibt sehr wenige Kinder, die ganz ohne hauen, kratzen, beißen auskommen. Bei manchen ist es mehr, bei anderen weniger. Menschen sind ja bekanntlich unterschiedlich temperamentvoll.

3. Kinder sind manchmal aufgrund von entsprechenden Vorbildern und erlebten Übergriffen körperlich aggressiv:

Entweder weil sie selber Gewalt erfahren oder sehen, oder aber weil ihr Selbstbestimmungsrecht immer wieder übergangen und ihre Integrität nicht gewahrt wird.

Diese Art Aggression lässt sich vom kindlichen Hauen beim genauen Hinsehen gut unterscheiden, indem man sich nicht auf das kindliche Verhalten fokussiert, sondern den Gesamtkontext betrachtet.

Hier ist entsprechende (therapeutische) Begleitung von allen Beteiligten und eine genaue Betrachtung des Umfeldes notwendig .

4. Ein weiterer Grund kann eine Art Impulsreaktion aufgrund fehlender sensorischer Integration sein:

Das Kind „spürt sich“ in diesem Fall nicht richtig oder hat dadurch eine reduzierte Frustrationsgrenze.

In diesem Fall lohnt es sich entsprechende Therapeuten aufzusuchen oder aber Sportarten wie Capoeira, reiten, schwimmen, klettern, etc zu betreiben.

5. Die Integrität des Kindes ist in Gefahr und es versucht sich zu schützen:

Wenn Kinder sich bedrängt oder bedroht fühlen und ihre Abgrenzungsversuche sowie ihre Stimme nicht erhöht werden, verteidigen sie sich mit den ihnen vorhandenen Strategien.

An Erwachsene ist dies eine Einladung zum Innehalten, zur Selbstreflexion und zum Überdenken des eigenen Verhaltens! Erwachsene sind immer (!) für die Beziehungsqualität verantwortlich.

Ist es ein Konflikt zwischen Kindern und diese sind überfordert oder kommunizieren verbal oder non-verbal, dass sie Hilfe benötigen, so ist eine empathische Begleitung der Beteiligten unerlässlich.

6. Sie suchen Beziehung und Verbindung und wollen gesehen werden:

Wenn Kinder hauen, sind Erwachsene in der Regel schnell zur Stelle. Die Kinder bekommen Aufmerksamkeit. Und ja, das wollen sie dann oft auch. Oder doch nicht?

Was wollen sie wirklich?

Kinder wollen gesehen werden! Es ist unabdingbar für ihre Entwicklung und es sichert ihnen das Überleben. Diese Mechanismen sind tief in uns verankert. Ohne von Erwachsene wahrgenommen zu werden, kann kein Kind überleben. Sie sind abhängig.

Hier sind wir ganz besonders gefragt in Beziehung zu gehen und unseren Kindern proaktiv zu vermitteln: Ich sehe dich! Ich bin mit dir verbunden!

Fakt ist:

Kinder hauen nicht, weil sie böse sind. Kinder hauen auch nicht aufgrund von liebevoller Begleitung.

In dem wir immer nur das Verhalten betrachten, vergessen wir unseren Blick auf die dahinterliegenden Bedürfnisse zu lenken.

Und in dem wir den Eltern subtil zu verstehen geben, sie wären zu lasch in der Erziehung, formen wir eine Erziehungskultur, die auf respektloser Autorität fußt, hinterlassen wir verunsicherte Eltern zurück und „diagnostizieren“ Kinder.

Ich bin Mutter eines stark körperlich kommunizierenden Kindes und zugleich Mutter eines sehr sensiblen Kindes. Ich kenne beide Seiten, denn ich erlebe das Zusammenspiel jeden Tag. Eine große Herausforderung, an der ich wachsen und jede Menge über mich lernen kann…

Aida S. de Rodriguez

Mehr über die Autorin und ihre Arbeit sowie weitere Texte von ihr findet ihr hier und auf ihrer Seite elternmorphose.de

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