„Schatz! Ich liebe Mich.“ – Erziehungsfreiheit beginnt  i m m e r bei mir

 

Wir schreiben hier über Beziehung, Beziehungen. Über Zwischenmenschlichkeiten, vor allem zwischen Kindern und Erwachsenen, zwischen den Eltern, aber auch zwischen Erziehenden und Nicht-Erziehenden.
Welche Beziehung hast du denn zu deinem Ich?

Eine Beziehung zu dir selbst

Es geht hier und in der unerzogen-Gruppe immer und immer wieder um den Schlüsselmoment rund um die Einsicht: Das, was grade passiert oder passiert ist, hat etwas mit dir zu tun. Schau da mal nach in deiner Biographie, in deiner Psyche, schau und fühl mal in dich hinein und frage dich, warum du so fühlst und warum du so handelst.

 

Die Selbstreflexion macht Erziehungsfreiheit erst möglich. — Ein ewiger, wertvoller und meist anstrengender Begleiter. Der beste Weg zum anderen führt nicht an dir vorbei, sondern direkt durch dich hindurch.

Beziehung heißt „wir beide“. Das heißt auch „Ich“:

Da die Qualität der Beziehung bei mir beginnt, sollte die Beziehung zu mir doch am besten ebenso zugewandt, liebevoll und bedingungslos sein, wie wir es uns zu unseren Kindern immer wünschen!

Puh?
Klingt ganz schön anspruchsvoll, wie? Vielleicht sogar völlig unrealistisch im ersten Moment? Wie wirkt das auf dich, dieser Gedanke? Lass ihn vielleicht kurz mal auf dich wirken …

 

Bist du bereit für ein kleines Experiment?

Setz dich dazu bequem hin, schließe vielleicht für einen Moment die Augen und stell dir vor, du begegnest dir selber. So wie du im echten Leben jemandem auf einem Weg begegnest. Schau nun wertfrei mit geschlossenen Augen in dich hinein und beobachte ein bisschen die Situation, was da so passiert bei „eurem“ Treffen …

Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.“ Oskar Wilde

Und?
Warst du freundlich zu dir? Hast du dich angelächelt, dir die Hand gegeben oder dich gar umarmt? Welchen Eindruck hast du auf dich gemacht? Ein Kompliment, ein liebevoller Blick? Was hast du mit dir ausgetauscht?

 

Warum bin ich so, wie ich bin, und: Wie bin ich überhaupt?

Eins steht fest: Du bist geworden, wie du bist
– durch biologische Prozesse, welche in dir genetisch angelegt sind, und
– durch das, was deine Umwelt um dich herum vorgelebt hat, bewusst wie unbewusst. Das hast du einfach vertrauensvoll adaptiert.

Auch du bist vermutlich noch erzogen worden, wurdest mindestens durch die Erziehung deiner Eltern(generation) beeinflusst. Vermutlich auch von anderen Bezugspersonen und an anderen Sozialisationsorten als Zuhause.

Wenn ich von einem negativen Erziehungsbegriff ausgehe – und das tue ich -, dann ist Erziehung nicht der Moment, in dem ich zugewandt aus Liebe, sondern aus (meist in die Zukunft gerichteten) Sorgen oder Ängsten handle, und das aus einer machtvollen und somit zwangsläufig abhängig-machenden Position heraus.

Aus diesem erziehenden Impuls handle ich, wenn ich eine andere Person verändern möchte – angeblich zum Positiven. Ich vergesse dann, dass ich damit jedes Mal (!) zeitgleich transportiere: DU bist noch nicht gut genug! ICH weiß besser, was für dich richtig ist! 
Ersteres führt im schlimmsten Fall zu Selbstzweifeln oder gar Depression, zweiteres zu Verantwortungsabgabe, Untätigkeit und Mutlosigkeit – kurz: zu Selbstwerthindernissen und -mangel. Das Selbstbild wird geprägt vom Außen und in den ersten Lebensjahren gar nicht abgeglichen mit der inneren Wahrnehmung. Es wird adaptiert, unhinterfragt angenommen.

Hinzu kommen die kollektiven, gesellschaftlichen Zwänge, sich vergleichen zu müssen, nach Leistung zu bewerten, bewertet zu werden (#schule) und, natürlich, immer perfekt und gesund zu sein, und selbstverständlich immer unfassbar gut auszusehen. Immer. Klar! Achja, intelligent musst du auch sein. Und sozial. Auch immer. Klaro!
… Niiiicht!

 

Merkst du es, wie du dich selber erziehst? Wie du dich selber nicht so annimmst wie du bist, sondern dich immerzu verändern willst? Eine innere Instanz in dir macht sich größer als du bist und redet dir von oben herab ein: Du genügst so noch immer nicht!

Möchtest du das? Ist das tatsächlich das Bild, nach dem du leben möchtest? Ist es das, was du von deinen Kindern verlangen würdest? Nein. Natürlich nicht. Für uns bedürfnisorientierte, nicht-erziehende Eltern steht doch im Vordergrund, dass unsere Kinder selbstbestimmt und stark wachsen dürfen, mit einem möglichst gesunden Selbstbild. Das ist für mich sogar eines der tragkräftigsten, zugleich auch politischsten Ziele von erziehungsfreiem Leben.

 

Wie beginnen?

… Nun fragt der innere Erwachsene mit scherzhaft erhobenem Zeigefinger: „Uuuund? Bei wem müssen wir da anfangen, wenn es das ist, was wir unseren Kindern vermitteln wollen? Naaaaa???

„Bei uns selbst!“, höre ich die braven Kinder in euch antworten. Hahaha! Recht habt ihr mal wieder. 😀

Das innere Kind meldet sich aber noch einmal zu Wort: „Und wie mache ich das? Ich habe das doch nicht gelernt. Wie soll ich denn dieses alte Programm löschen? ‚Eigenlob stinkt‘, das ist so tief in den Köpfen. Ich will mich ja lieben, nur fürchte ich, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“

Danke für deine Ehrlichkeit“, sagt der innere, verantwortungsbewusste Erwachsene und nimmt das innere Kind in den Arm. Liebevoll, ehrlich, lange, empathisch und still verstehend. „Lass uns zusammen gehen…“, sagt der Erwachsene und bietet dem Kind die Hand an. Das gibt Sicherheit.

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Du siehst, es  i s t  anspruchsvoll und wirkt erstmal unrealistisch, denn es steht ein Haufen Arbeit an, wenn du beschließt, dich selbst bedingunglos lieben zu wollen:

Fang an. Jetzt. Jeden Tag.

Nimm dir kleine Schritte vor. Das ist ein Prozess, der seine Zeit braucht, wie eine heilende Wunde. Ich mache dir im Folgenden ein paar Vorschläge und du schaust, was du so oder so ähnlich machen möchtest, um dich dir selber wieder anzunähern:

 

  • Du kaufst dir ein schickes Notizbuch und schreibst jeden Tag hinein, was dich gefreut hat, egal ob von dir oder anderen. (Hübsch anzusehen ist auch ein großes Glas, das du mit bunten Zettelchen fütterst.) Das hilft schon mal, die Perspektive auf das Positive zu schulen und auf das Besondere im Selbstverständlichen. Es muss nicht täglich sein. Mach es so, wie es für dich entspannt ist. Mach es zu deinem Ritual. Wie wäre es zum Beispiel, wenn solch ein Glas in Toilettennähe zu finden wäre? 😉

 

 

  • Ein Gedankenspiel: Du diskutierst mal mit dir selbst, wie viele Produkte, Geschäfte, Institutionen und ganze Industriezweige eingehen würden, wenn alle Menschen heute beschließen würden, sich und ihren Körper so zu lieben, wie er/sie ist? Anders gefragt: Wie abhängig macht mich allein das Wirtschaftssystem (hier angeführt durch Werbeindustrie und Presse) von einem äußerlich geprägten Ideal? Und inwiefern möchte ich mich diesem Gefüge unterordnen, mich abhängig machen von Bewertung und dem Ideal entsprechen?

 

  • Du arbeitest mit Deinem Unterbewusstsein, wenn es dir immer mal wieder mit dem ewigen Genörgel aus dem Off (#glaubenssätzedie Tour vermasseln möchte. Hierzu möchte ich dir das Emotional Feedback Training empfehlen.
    Dieser Link zum EFT scheint mir für das anfängliche Herantasten ausreichend.

 

  • Und natürlich ist es auch nicht verkehrt, mal professionell ausgebildete Menschen aufzusuchen, die dich auf diesem Weg zu dir gut und sicher begleiten können – beispielsweise Coaches und TherapeutInnen.

 

Teile doch bitte in den Kommentaren deine Erfahrungen zu diesem Thema und gerne auch deine Liebesbriefe an dich selbst.
<3, die Welt braucht mehr davon! 🙂

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