Carina Gollnik war wählen…

….. und hat darüber geschrieben. Ihr Bericht hat uns so gut gefallen, dass wir gefragt haben, ob wir ihn veröffentlichen dürfen. Wir dürfen. Danke, Carina! 

unerzogen wählen gehen…

Mein Mann muss heute arbeiten. Ich bin mit den Kindern alleine zu Hause, habe Fieber, bin heiser. Zur Wahl wollte ich natürlich trotzdem. Ist ja auch kein großer Aufwand, das Wahllokal ist zu Fuß 5 Minuten entfernt. Mit Kindern vielleicht 10 Minuten. Dachte ich.

Ich wollte also die Kinder zu einem kleinen Spaziergang überreden. Die waren wenig begeistert, ging dann aber trotzdem. Klamottentechnisch waren beide nicht wirklich der Witterung angepasst (Jogginghosen) und vorher umziehen wurde von beiden abgelehnt. Aber für die 10 Minuten nehme ich dann mal keine Wechselklamotten mit. Ich Anfänger! 
Wir machen uns also auf den Weg, kleines Kind mit Laufrad, großes Kind zu Fuß. Vor dem Losgehen fragte ich, ob noch jemand was trinken will. Kleines Kind trinkt, das große nicht. Für die 10 Minuten nehme ich jetzt mal nichts zu trinken mit. Zweiter Anfängerfehler.
Auf halber Strecke fragt das große Kind: „Hast du Wasser mit?“ Ich: „Nein, aber wir sind bald wieder zu Hause.“ Das kleine Kind wendet auf der Stelle das Laufrad und ruft: „Hause, Milch!“
Großes Kind rennt begeistert hinterher. 
Gut, wir hätten erstmal wieder nach Hause gekonnt, aber dann wäre es wieder schwierig geworden, erneut loszugehen. Also die Kinder zurückgerufen und ihnen erklärt, warum ich wählen gehen will und dass ich da nur schnell den Zettel einwerfe und wir dann sofort wieder nach Hause können.

Großes Kind: „Welchen Zettel?“ Ich hole den Wahlzettel aus der Tasche und erkläre unter anderem, dass der wichtig ist und ich den dort abgeben muss. Großes Kind: „Ich trag den für dich.“ Hmmm… Begeistert war ich nicht, aber was soll schon passieren?
Kind rennt los, lässt Zettel in den Matsch fallen, kleines Kind kachelt mit dem Laufrad drüber. Ich hebe den Zettel auf, befreie ihn notdürftig vom Dreck. Kann man noch lesen, wird schon gehen.
Wir weiter, fast geschafft. Gegenüber vom Wahllokal ist ein Spielplatz. Kleines Kind will schaukeln. Warum nicht? Gehen wir eben vorher noch auf den Spielplatz. Kleines Kind fällt von der Schaukel, Hose nass. (Zur Erinnerung: Für 10 Minuten Fußweg packe ich doch keine Wechselklamotten ein.)
Ich nehme die schreiende Kleine auf den Arm. Die will jetzt wählen gehen. Großes Kind will lieber noch auf dem Spielplatz bleiben. Kommt dann aber doch mit.
Drinnen: Anstellen, warten. Große Schüssel Gummibärchen für die Kinder beim Wahlhelfer. Der Große geht hin und bedient sich. Unterhält sich nett mit den Helfern. Futtert ein Gummibärchen nach dem anderen. Die andere Wahlhelferin fragt ihn, ob er zu Hause nichts zu essen bekommt. Er: „Doch, aber jetzt bin ich ja hier.“ Nimmt sich zwei große Hände voll Gummibärchen und stopft sie sich in den Mund. Die Frau: „Jetzt ist gar nichts mehr für die anderen Kinder da.“ Kind: „Hattet ihr das noch nie, dass einer kam und alles aufgegessen hat?“ Wahlhelfer: „Doch, für solche Zwecke habe ich noch eine Tüte in Reserve.“ Kind: „Na dann leg die mal auf den Tisch.“ Die Wahlhelferin guckt entsetzt, eine andere Helferin kriegt sich vor Lachen nicht mehr ein. Währenddessen zieht das kleine Kind unter den entsetzten Blicken der anderen Anwesenden seine nasse Jogginghose aus.

Zum Glück bin ich endlich an der Reihe und lege meinen matschigen Wahlbescheid vor. Der Helfer: „Was ist denn damit passiert.“ Ich erkläre ihm den Vorfall. Hätte er anhand der Reifenspuren auf dem Zettel auch selber drauf kommen können.
Ab in die Kabine, Kreuzchen machen und nix wie nach Hause. Das kleine Kind hat nun die mittlerweile geöffnete zweite Tüte Gummibärchen entdeckt. Wenigstens kann ich ihr beim Futtern die Hose ohne Protest wieder anziehen. Sie will dann allerdings noch gerne bleiben, ich habe aber das Gefühl, dass das wenig erwünscht ist. Ich gebe ihr also ein paar Gummibärchen für den Weg und trage sie nach draußen. Auf dem Weg wirft sie die Gummibärchen dankbar durch die Gegend.
Radfahren will sie nicht mehr, also schleppe das Kind, während der Große mit dem für ihn viel zu kleinen Laufrad fährt (Zum Glück, sonst hätte ich das auch noch schleppen müssen) Auf dem Weg nach Hause (der wirklich nicht lang ist) werde ich viermal angesprochen, dass das Laufrad doch viel zu klein für das Kind ist und er ein größeres braucht. Ich brauch jetzt Mittagsschlaf!

Also Leute, geht wählen. Es ist ganz einfach!“

 

 

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Ein Gedanke zu “Carina Gollnik war wählen…

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